Wo sich alles um Pfingsten dreht

Wo sich alles um Pfingsten dreht
Die Possendorfer Windmühle von 1691 war 200 Jahre lang die einzige im Betrieb befindliche im Raum des Osterzgebirges. // Foto: saechsische.de

Zum Deutschen Mühlentag öffnen Mühlen, Wasserwerke oder andere technische Denkmale ihre Pforten.

Pfingsten ist traditionell ein Ausflugswochenende. Da locken viele offene Türen – am Pfingstmontag insbesondere die Mühlen. Denn der Tag ist seit Jahren auch Deutscher Mühlentag.

In und um Dresden gibt es noch einige Windmühlen mit Flügeln, die als Technikdenkmäler oder interessante Landmarken fungieren. Auffällig dabei ist, dass hier vor allem gemauerte Turmholländer vorherrschen, während es in der Oberlausitz eher Bockwindmühlen aus Holz sind. Sechs Windmühlen haben derzeit noch Flügel, wobei beispielsweise der Turmholländer in Pahrenz seine abgenommen bekam.

Im Mittelalter gab es weder Sonnensteuer noch Windgebühr (heute EEG-Umlage genannt). Die Kräfte der Natur waren noch kostenlos zu haben, insofern man es schaffte, sie sich nutzbar zu machen. Windkraftanlagen zum Kornmahlen jedenfalls lassen sich in Europa bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Zunächst mit horizontal unbeweglicher Achse, was misslich war, wenn der Wind aus anderer Richtung wehte. Später kamen die Mühlen auf einen hölzernen Bock oder Steinsockel, was sie mit etwas Kraftaufwand drehbar machte. Bereits 1105 wurde eine solche Bockwindmühle in Europa erstmals erwähnt. Später, etwa im 16. Jahrhundert, wurde die Mehlherstellung deutlich erleichtert. Bei der „Holländer-Windmühle“ brauchte nämlich nicht mehr das komplette runde bis achteckige, nunmehr gemauerte Gebäude, sondern nur noch dessen aufgesetzte Haube in den Wind gedreht zu werden. Dafür sorgte ab dem 18. Jahrhundert schließlich beinahe wie von selbst ein Seitenrad in Gestalt einer Windrose. Perfekt.

Die Windmühlen wurden stärker als alle anderen Maschinen des Mittelalters zum Symbol des technischen Fortschritts. Es waren echte Landmarken, die hier und da sogar Kirchtürme überragten. Das missfiel nicht nur einem Don Quichotte, sondern auch manchem Kleriker. Das ganze einträgliche Gewerbe – einschließlich das auf Mühlenrädern in düsteren Flusstälern basierende – wurde hier und da schon mal unter Generalverdacht gestellt. Wie es ist, mit bösen Mächten im Bunde zu sein – davon erzählt zum Beispiel die Krabatsage.

Unabhängig vom Aberglauben ging von den Windmühlen eine durchaus verständliche Faszination aus. Es waren technische Wunderwerke, die selbst nach dem Siegeszug der Dampfmaschine und des Dieselmotors nichts von ihrer Anziehungskraft verloren haben. Vor allem da, wo sie noch existent oder als museale Attraktion für Interessenten noch immer funktionsfähig sind.

Die Oberlausitz war nie eine Region mit großer Windmühlendichte gewesen. Das hat vor allem auch topografische Gründe. Anders, als in der Mühlenregion in Nordsachsen zwischen Leipzig und Eilenburg, nutzte man im Hügel- und Bergland vor allem die Wasserkraft, wie man es noch heute zum Beispiel in der Bertholdmühle in Oberoderwitz nachvollziehen kann. Oderwitz macht freilich als Ganzes noch immer auch als sogenanntes „Mühlendorf“ von sich reden. Hier gab es einst sogar sieben Windmühlen, von denen drei weiterhin als Denkmale der Technikgeschichte fungieren.

Mehr Infos unter: deutsche-muehlen.de/deutscher-muehlentag

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