Unter Wölfen

Kunstaktionen wie das Wolfsrudel vor der Frauenkirche im März dieses Jahres, die den Dialog vor Ort anregen, sollen auch künftig gefördert werden. Foto: Una Giesecke

Als hätte er die AfD-Ergebnisse der Landtagswahlen vom vergangenen Sonntag vorausgesehen, baute Rainer Opolka tags darauf seiner spektakuläre Kunstaktion auf dem Neumarkt auf und diskutiert seither heftig mit Passanten. Der Taschenlampen-Millionär aus dem brandenburgischen Storkow will angesichts des Rechtsrucks in Deutschland wie in Europa dagegenhalten und wachrütteln.
Der Taschenlampenfabrikant engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich gegen Rechtsradikalismus und Antisemitismus und wurde bereits mehrfach für sein soziales Handeln ausgezeichnet. Dafür ist dem „Rufer in der Wüste“ nichts zu schwer. Mit fünf Sattelschleppern transportierte er 66 je zwei Meter große und 300 Kilogramm wiegende „Wolfsmenschen“ aus Bronze und Eisenguss nach Dresden.

Hier startet die eintrittsfreie Wanderausstellung durch alle Bundesländer. In der Pegida-Geburtsstadt soll die Schau „Die Wölfe sind zurück?“ spontane Gespräche anregen, um über Gefahren von Fremdenhass und Rechtsextremismus aufzuklären.
Das Rudel steht symbolisch für Drohbriefeschreiber, Brandsatzwerfer und wütende Montagshetzer, für Neonazis und AfD-Parteigänger, die laut eigener Aussagen auf Flüchtlinge schießen wollen. Eine 40-seitige kostenlose Broschüre informiert über Strukturen und Mechanismen in der rechten Szene.
Umrahmt werden die „Wölfe“ von Informationstafeln und solchen, auf denen Besucher niederschreiben können, was zu tun wäre, damit niemand mehr hassen muss.
Denn dies hieße, das Übel an der Wurzel zu fassen, meint der 60-Jährige. Damit nie wieder Wölfe an die Macht kommen, brauche es eine Gesellschaft, die Menschen besser qualifiziert und stärker in sinnvolle, kooperative Arbeitszusammenhänge stellt, die mehr Transparenz und Teilhabe schafft sowie Selbstbetätigung und Friedensliebe stimuliert.

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