Dresdner Kirchturm wird zum illegalen Kletterfelsen

Dynamo-Gruß am rund 80 Meter hohen Gerüst des Martin-Luther-Kirchturms Foto: Una Giesecke

„Der SG Dynamo Dresden alles Gute in der zweiten Bundesliga“, wünscht ein Plakat am Gerüst der Martin-Luther-Kirche. Clever platzierte Werbung des Auftragnehmers, denn das Baugerüst ist 80 Meter hoch, der Glückwunsch zum Aufstieg also prima zu sehen.
Nun steht aber der eingehauste Sakralbau nicht irgendwo in Dresden, sondern im Partyviertel der Sachsenhauptstadt. Dorthin strömen bevorzugt am Wochenende Erlebnistouristen auf Abenteuersuche. Mit dem entsprechenden Alkoholspiegel im Blut wird der eine oder zu übermütig und versucht seine Kletterkünste, um wieder Überblick zu bekommen.
„Das ging schon los, als das Gerüst eine Höhe erreicht hatte, von der sich der Ausblick lohnt“, sagt Pfarrer Eckehard Möller. „Bisher hatten alle getrunken.“

Der Lastenaufzug am Martin-Luther-Kirchturm gründet außerhalb der Kletterschutzmauer. Foto: Una Giesecke
Der Lastenaufzug am Martin-Luther-Kirchturm gründet außerhalb der Kletterschutzmauer. Foto: Una Giesecke

Da sich die Polizeieinsätze seit Anfang Juli häufen – gegen fünf Personen wird wegen Hausfriedensbruch ermittelt – und längst nicht alle illegalen Turmbesteiger, Turmuhr-Rowdys und Baustellendiebe erwischt werden, „haben wir Stahlpalisaden um das Gerüst gezogen“, berichtet Möller. Die rund fünf Meter hohen grifflosen Metallwände scheinen ihren Zweck zu erfüllen. Seither wurden nur noch zwei Fälle im Gemeindebüro gemeldet. Es heißt, die Waghalsigen hätten versucht, sich am Lastaufzug hinaufzuhangeln.
„Dabei ist selbst dieser mit roten Blechtafeln gesichert“, erklärt Möller. Der letzte Kletterer wollte sogar in luftiger Höhe übernachten. „Er hatte die Isomatte dabei, Alkohol im Rucksack und hat dann noch rumdiskutiert.“ Dort oben stünden mittlerweile viele leere Flaschen, einer habe das Wort „Fusion“ gesprayt. Vermutlich ist damit jenes Mecklenburger Musikfestival gemeint, das für einen recht freizügigen Umgang mit Drogen bekannt ist.
Der Pfarrer ist inzwischen genervt. „Die Fälle ereignen sich stets zwischen halb zwölf nachts und sechs Uhr morgens.“ Wenn Anwohner die Polizei rufen, holt diese ihn aus dem Bett, denn nur er hat den Schlüssel zum Stahltor. „Ich hab zwar was gegen Blockwartmentalität, aber in dem Fall ist es ganz gut.“

 

 

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