Sonderschau im Albertinum würdigt Dresdner Künstler Karl-Heinz Adler

Der knapp 90-jährige Künstler Karl-Heinz Adler kam mit Gattin zur Pressekonferenz. Foto: Una Giesecke

Im Anzug mit elegantem Spazierstock sitzt ein weißbärtiger Philosoph inmitten seiner Werke. Die kleine, aber feine Sonderschau in einem Ecksaal des Dresdner Albertinums umfasst nur rund zwanzig markante Beispiele aus seinem Oevre von den fünfziger Jahren bis heute. Wer hineinkommt, verlangsamt unwillkürlich den Museums-Hopper-Schlenderschritt, bleibt kurz stehen, nimmt sich vielleicht sogar Zeit heranzutreten.

In einer verblüffend zeitlosen Formensprache hat der 1927 geborene Dresdner Karl-Heinz Adler, ungerührt von internationalen Strömungen hinter dem Eisernen Vorhang, nach grundlegenden Aussagen gesucht. Schnell kam der gelernte Musterzeichner und studierte bildende Künstler daher von der realistischen Malerei auf nichts Geringeres als die experimentelle Befragung von Raum, Zeit und Wahrnehmung.

Seine Annäherungen unternahm der Suchende in Materialien wie Hartfaser, Grafit, Spanplatte, Glas, Papier oder Beton. Unverstanden von den Tonangebern im DDR-Kunstbetrieb, fand der Hochschuldozent sein Wirkungsfeld in der Kunst am Bau, woran heute unter anderem die Brunnen auf dem Neustädter Markt oder die Fassade des Hotels Pulman an der Prager Straße erinnern. Im Schutze seines patentierten Betonformsteinprogramms für plastisch-dekorative Wandgestaltung untersuchte Karl-Heinz Adler in aller Ruhe und nur für sich Strukturen und Gesetzmäßigkeiten von Gültigkeit.

Serielle Lineatur, Grafit auf Hartfaserplatte, 1989

Zum Lärm der Welt um ihn herum sagt er nichts, lächelt höchstens kaum merklich. Er hat für die Zeit gearbeitet, jetzt arbeitet sie für ihn. Zwar wagte es die Galerie Mitte bereits 1982, Collagen und Serien Adlers auszustellen. Doch bis die Welt den herausragenden Dresdner zur Kenntnis nimmt, sind bald sechs Jahrzehnte kaum beachteten Schaffens verflossen.

Immerhin werden seine Werke in Polen, Ungarn und Schweden gezeigt. Immerhin verschafft Johannes Rau ihm 1988 die seit neun Jahren von Honecker verwehrte Gastprofessur in Düsseldorf. Immerhin kaufen Kupferstichkabinett und Kunstgewerbemuseum Einzelnes an, das Albertinum nimmt eine Dauerleihgabe in die ständige Ausstellung.

Inzwischen ist jungen Künstlern, Shooting Stars wie unbekannten, Adlers „Experiment Konkret“ längst ein gesichertes Vorbild für eigene Schichtungen und Rhythmisierungen. Adler, der die „heilige Fläche“ der Leinwand um die dritte Dimension erweitert hat, tut dies auf bodenständige, nachvollziehbare Weise. Hinzugucken, drum herum zu laufen und dahinter zu schauen, macht Spaß, allein schon der perfekten Bearbeitung oder lebendigen Schattierungen wegen.

Nun hat auch ein weltweit einflussreicher Kurator eine Werkausgabe, die die Gattin herausgegeben hat, in die Hand bekommen. Hans Ulrich Obrist, Chef des Londoner Serpentine Museums, ist extra nach Dresden gereist, um den knapp Neunzigjährigen zu interviewen. Nachzulesen in der im April erscheinenden Publikation zu den diesjährigen Ausstellungen und Dresden und Budapest.

Karl-Heinz Adler. Ganz konkret: 30.3. bis 25.6., Di. bis So., 10 bis 18 Uhr, www.skd.museum

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