Gefühle vom anderen Ende der Welt

Geschwisterliebe 2.0: Angus und Julia Stone balancieren über die Musik ihr Verhältnis aus. Foto: PR
Geschwisterliebe 2.0: Angus und Julia Stone balancieren über die Musik ihr Verhältnis aus. Foto: PR

Per Papierflugzeug flogen sie quasi über Nacht über den fünften Kontinent Australien und damit in die Herzen ihrer einheimischen Fans. Das millionenfach im Netz geadelte
Lied heißt „Paper Aeroplane“ und düste flugs im gefühlten Überschallbetrieb dann gleich auch noch um den ganzen Globus. Inzwischen sitzen Angus & Julia Stone ziemlich
oft in echten Fliegern und bringen ihre ausgeklügelte Musikmischung aus Folk und Blues weltweit auf die Bühne.

Lieder, die dich finden

Das Geheimrezept? Ohrwürmer mit Tiefe und für die ersten Alben ein StarProduzent namens Rick Rubin, der schon Johnny Cash und Black Sabbath hoch hinaus in die erste Klasse der nächsten Chart-Flugmaschine hievte. „Und Rick Rubin trägt nicht mal Schuhe“, sagt Angus Stone über den Mann am Mixer. Wie man von „Down Under“ aus so hohe akustische
Wellen schlagen kann? Das ist mal wieder ein musikindustrielles Mysterium. Doch natürlich haben die zwei Geschwister ihren Teil dazu beigetragen.
Schon früh traten sie der von ihrem Vater geleiteten Schülerband bei. Dort spielte Julia die Trompete, Angus die Posaune und ihre ältere Schwester Catherine das Saxofon. Als Teenager wurden sie zu selbstständigen Singer/Songwritern und zeigten auf zahlreichen Open Mic-Nights ihr Können.

Inzwischen dienten verschiedenste Reiseziele – ob Schweizer Alpen oder die beeindruckende Vegetation Indiens – als Quelle der Inspiration für die oft äußerst entspannten, doch ungemein berührenden und teils tanzbaren Weisen – ein Mix aus Folk und Blues. Die ersten drei Studioalben wurden in Australien mit Platin ausgezeichnet, „Down the Way“ dreifach. Auch für die Single „Big Jet Plane“ gab es Platin. Viel Schnee aus dem Outback Geduld gehört zweifelsfrei zur Tugend des Duos: „Der Augenblick, in dem ein Song dich auswählt, wird kommen. Und dann ist er einfach da … man sollte immer bereit dafür sein“, so Angus Stone. Für Angus ist die Arbeit mit seiner Schwester noch immer das einzig Wahre, wie er in einem Interview erklärt: „Als Kind ist man doch meistens einfach nur verwirrt und versucht, die Welt zu verstehen. Wenn man noch Geschwister hat, kann man wenigstens mit ihnen nach Antworten suchen. Vielleicht machen Julia und ich das ja immer noch mit unserer Musik.“ Ausgerechnet im Schnee haben die eher sonnenverwöhnten
australischen Geschwister den Impuls zur neuen Platte bekommen.

Eine winterliche Reise in die Schweiz soll die beiden nachdenklich gestimmt und zum vierten Studioalbum „Snow“ angestiftet haben. „Wir haben mit der Platte angefangen, als wir
von einem Trip in der Schweiz zurückgekommen sind. Wir haben da ein paar Leute getroffen und die nahmen uns mit zu einer Berghütte. Dort sah alles so aus, als würden überall
kleine Diamanten in der Sonne glitzern“, so Julia. „Ich glaube, das war der Ausgangspunkt der Arbeit an dieser Platte“. Und – höre und staune – da ist es wieder, dieses Gefühl,
auf lässige, verträumte und unaufgeregte Weise ein Stück weit hinter den eigenen Horizont zu schauen. (Tom Vörös)

Angus & Julia Stone, 28. Juni,
19 Uhr, Freilichtbühne Junge Garde,
Dresden; Tickets für 45,30 Euro
unter Tel. 0351 4864 2002 oder online

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