„Konferenz der Plastiktiere“

Sowjetische Spielzeugfische und Meerestiere mit Badefisch nach Entwurf von Ali Kurt Baumgarten, 1960er/1970er-Jahre. Foto: Sammlungsfotografen Köpcke & Weinhold, Berlin

Die Winterausstellung des Stadtmuseums dreht sich um Leningrader Spielzeug.

Wer hat uns entworfen? Wo und woraus wurden wir hergestellt? Und wie sahen unsere Pendants in anderen Ländern aus? Diese Fragen beantwortet eine „Konferenz der Plastiktiere“, die ab 30. November im Dresdner Stadtmuseum tagt. „Teilnehmer und Referenten“ sind in erster Linie Spielzeugfiguren aus dem sowjetischen Leningrad der 1950er- bis 1980er-Jahre.

„Damit greifen wir ein spannendes Detail aus der Geschichte unserer Partnerstadt St. Petersburg auf“, sagt Kuratorin Andrea Rudolph. Im russischen Zarenreich, so die Expertin für Alltagsgeschichte weiter, sei Spielzeug überwiegend importiert worden. „Eigene Fabriken entstanden erst in den 1920/30er-Jahren, ein eigenes Design erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Gestalter waren damals vielfach Studenten der Kunstgewerbeschule, die nach einer stark realistischen Anfangsphase zu abstrahieren begannen, zunehmend stilisierte Formen und knallige Farben verwendeten.“

Möglich machte dies auch das seinerzeit hochmoderne Material Polyäthylen, das zudem abwaschbar und viel leichter als Holz oder Metall ist. Neben den Designern befasst sich die „Konferenz“ mit den beiden großen Leningrader Spielwarenbetrieben, der Gummifabrik Rotes Dreieck und den Ochta-Werken, sowie mit Verbindungen in andere Länder. So habe sich beispielsweise herausgestellt, dass in der Sowjetunion produzierte Plastiktiere teilweise von Künstlern aus der damaligen DDR und ČSSR stammten.

Ali Kurt Baumgarten aus der Nähe von Sonneberg entwarf die populären bunten Kunststofffiguren mit der Noppenstruktur, Libuse Niklova die „Akkordeontiere“ und aufblasbare „Hüpftiere“. Einiges davon wird heute wieder aufgelegt und darf in der Ausstellung angefasst und benutzt werden. Ein weiteres Kapitel ist jenen Figuren gewidmet, deren Vorlagen aus den Medien stammen: aus Büchern, Märchen- und Trickfilmen oder von öffentlichkeitswirksamen Großereignissen. Vor allem ältere Besucher freuen sich sicher über ein Wiedersehen mit Hase und Wolf, Gena und Tscheburaschka, dem OlympiaBärchen von 1980.

BIRGIT HILBIG

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