Wenige Neu-Lehrer wollen aufs Land

Eine junge Lehrerin schreibt an eine Schultafel. Foto: Julian Stratenschulte/Archiv
Eine junge Lehrerin schreibt an eine Schultafel. // Foto: Julian Stratenschulte/Archiv

1.100 offene Stellen hat Sachsen zum neuen Schuljahr zu vergeben. Besonders in Bautzen und Zwickau wird es eng.

Zum neuen Schuljahr werden in Sachsen wieder Hunderte Lehrer fehlen. Um den Bedarf zu decken, will Sachsens Kultusministerium 1.100 neue Lehrer einstellen. Im Bewerbungsverfahren zum August 2020 haben sich dafür insgesamt 1.271 ausgebildete Lehrer gemeldet. Etwa ein Drittel kommt aus anderen Bundesländern.

Doch wie in den vergangenen Jahren passen die Vorlieben der Bewerber nicht zum Bedarf in den Schulen und Regionen. Für die 145 offenen Stellen an sächsischen Förderschulen gibt es 69 Bewerber. Für eine der 291 Stellen an einer Oberschule interessieren sich nur 142 Lehrer. Genügend Bewerber gibt es an Grund- und Berufsschulen und Gymnasien.

Gymnasiallehrer müssen flexibel sein

Jede freie Stelle zu besetzen, wird aber auch in diesen Schularten schwierig. Die Mehrheit der Lehrer möchte in den Großstädten Dresden und Leipzig arbeiten – dort, wo sie in den vergangenen Jahren auch studiert haben. Für die ländlichen Regionen werden mehr Lehrer gesucht, als es Bewerber gibt. Für die 130 Stellen an Schulen in der Region Bautzen haben sich 79 Lehrer beworben. In der Region Zwickau gibt es 79 Bewerber für 98 Stellen. Auch in Chemnitz und Umgebung fehlen Lehrer.

Das Landesamt für Schule und Bildung muss deswegen „für einen Ausgleich zwischen Bewerberinteresse und tatsächlichen Lehrerbedarf sorgen“, kündigt das Kultusministerium an. „Die Unterrichtsversorgung muss in allen Teilen Sachsens gesichert werden, nicht nur in Dresden und Leipzig.“

Nach Angaben des Kultusministeriums bekommen alle ausgebildeten Lehrer, die sich beworben haben, ein Angebot – außer die Gymnasiallehrer. Sie konnten sich erstmals nur direkt an konkreten Schulen bewerben. Für die, die bei diesen schulscharfen Bewerbungen nicht zum Zuge gekommen sind, gibt es alternative Einstellungsangebote – allerdings nur in anderen Schularten und Regionen.

Schon jetzt fehlen mehr als 330 Lehrer in Vollzeit

Schon im Einstellungsverfahren im Februar konnten nicht genügend Lehrer gewonnen werden. Von den 600 ausgeschriebenen Stellen wurden nur 400 besetzt. Nach einer aktuellen Aufstellung von Kultusminister Christian Piwarz (CDU) waren Anfang Mai landesweit 331 Lehrervollzeitstellen nicht besetzt, am stärksten betroffen sind die Oberschulen. Die meisten Lehrer werden für Schulen in den Regionen Zwickau und Bautzen gesucht, während es in Dresden und Umgebung einen vergleichsweise geringen Bedarf gibt.

Um das Fehlen von Lehrkräften so weit wie möglich auszugleichen, bemüht sich das Landesamt über das Programm Unterrichtsversorgung ständig um Alternativen – zum Beispiel befristet eingestellte frühere Lehrer. Dieser Personalpool verfügt zurzeit über 219 besetzte Vollzeitstellen.

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