Wenn das Immunsystem überreagiert

Vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern wird das Systemisches Inflammatorisches Response Syndrom (SIRS) beobachtet. Foto: Hochschulmedizin DD

Mediziner der TU Dresden leiten ein Projekt zur Diagnose und Therapie von SIRS-Patienten.

Kinder können durch eine plötzliche und unkontrollierte Überreaktion der eigenen Immunabwehr schwer erkranken. Diese Immunreaktion wird als Systemisches Inflammatorisches Response Syndrom (SIRS) bezeichnet. Es handelt sich dabei um einen lebensbedrohlichen Zustand, der jedes Kind treffen kann. Die Sterblichkeitsrate bei schwerem SIRS liegt bei sieben bis 25 Prozent.

Für Kinder wurden 2005 erstmals altersadaptierte Kriterien für diese überschießende Reaktion des Immunsystems festgelegt. „Wir betreuen hier am Dresdner Universitätsklinikum jährlich einige junge Patienten mit einem schwerem SIRS“, sagt Professor Sebastian Brenner, Leiter des Bereichs Intensivmedizin an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus. Die Symptome des Systemischen Inflammatorischen Response Syndroms sind sehr unspezifisch, entsprechend herausfordernd ist in Unkenntnis der zugrundeliegenden Ursache die Wahl der richtigen Therapie. „Aufgrund der unzureichenden diagnostischen Aussagefähigkeit herkömmlicher Untersuchungsmethoden basiert bei der Mehrzahl der Patienten die Akutbehandlung auf klinischen Merkmalen und Routinelaborparametern. Wir nutzen bislang keine personalisierten Ansätze“, so Professorin Catharina Schütz, die den Fachbereich Pädiatrische Immunologie leitet.

Profile erstellen, Muster identifizieren

Die Koordination der auf drei Jahre prospektiv angelegten, internationalen Studie hat die Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus an der TU Dresden mit Prof. Catharina Schütz, Dr. Sebastian Thieme und Prof. Sebastian Brenner übernommen. Die Konsortialpartner stammen aus Helsinki, Luxemburg, Istanbul sowie der Universität Ulm. Gemeinsam wollen sie bei den erkrankten Kindern Biomarker identifizieren, die einen Aufschluss auf den Auslöser der Immunreaktion geben können. Ziel der Mediziner ist es, personalisierte Immunprofile zu erstellen und diagnostische Muster zu identifizieren, um patientengerechte individuelle Therapien zu entwickeln und den Verlauf des Syndroms damit positiv zu beeinflussen. „Wir hoffen, Muster zu identifizieren, welche z.B. über ein Biomarkerprofil Hinweise für den jeweiligen optimalen Therapieansatz liefern“, erklärt Dr. Sebastian Thieme, wissenschaftlicher Leiter des Labors ‚Experimentelle Hämatologie‘ der Klinik für Kinder und Jugendmedizin des Universitätsklinikums. „Nach heutigen Erkenntnissen können nicht nur Infektionen die Überreaktion des Immunsystems auslösen, sondern auch andere Trigger.

Einige der kleinen Patienten haben offensichtlich auch eine genetische Disposition und zudem gibt es einen sehr großen Graubereich“, ergänzt die Immunologin Frau Prof. Schütz. Letzterer ist von besonderem Interesse. Mit der Auswertung immunologischer und funktionaler Parameter, der Protein- und Fettsäureanalyse bis hin zum Blick in die DNA bzw. mRNA will das internationale Wissenschaftlerteam zahlreiche Parameter übereinanderlegen, um verschiedene SIRS Typen zu unterscheiden, welche sich in der Endstrecke ähnlich präsentieren. In den kommenden drei Jahren sollen die Daten von 200 Patienten genutzt werden, um neue Biomarker zu definieren.

Das Projekt mit dem Namen TIPS (Tailored Immunotherapy for Paediatric SIRS) wurde aus insgesamt 188 Anträgen als eines von 18 transnationalen und multidisziplinären Forschungsprojekten ausgewählt. Das Gesamtbudget liegt bei 1,85 Millionen Euro. Das Sächsische Wissenschaftsministerium und die Sächsische Aufbaubank fördern den Standort Dresden.

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