Wenn der Kasper in der Kiste bleiben muss

Ben-Sebastian Hans in „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzchen“ // Foto: Eva Ruth Wemme

Der Dresdner Puppenspieler Ben-Sebastian Hans ist seit 19 Jahren im Beruf. Im Moment weiß er jedoch nicht, wann er seine nächst Vorstellung geben kann.

Haben Sie sich mit diesem Beruf einen Kindheitstraum erfüllt?

Als Kind wollte ich eher Förster werden. Erst in der 11. Klasse kam ich zum Theaterjugendklub des tjg und hatte dort viel Spaß, doch zum Beruf machen wollte ich die Schauspielerei nicht. Durch einen Flyer wurde ich auf die Abteilung Puppenspiel an der Ernst-Busch-Hochschule in Berlin aufmerksam. Ich fand das spannend, bewarb mich und bestand Eignungstest und Zugangsprüfung.

Seit wann sind Sie als ausgebildeter Puppenspieler aktiv?

2002 erhielt ich mein Diplom und gleich im Anschluss ein Engagement am Figurentheater Chemnitz. Das endete nach fünf Jahren durch einen Leitungswechsel und Sparmaßnahmen und ich beschloss, mich selbstständig zu machen und künftig mehr meine eigenen Vorstellungen zu verwirklichen.

Waren die mit einer bevorzugten Spielweise verbunden?

Ich lege mich da nicht fest, mag die offene Spielweise und bin auch ein begeisterter Kasperspieler. Letzteres habe ich erst relativ spät für mich wiederentdeckt und zusammen mit meiner Kollegin Cornelia Fritzsche Stücke für Kinder und Erwachsene erarbeitet. Wo finden Sie Ihre Texte? Fertige Vorlagen nutze ich nicht, sondern suche mir nur ein Thema und entwickle meine Texte während der Proben. Ich experimentiere und improvisiere so lange, bis ich ein Zwischenergebnis erreicht habe, und notiere es dann schnell. Die finale Version lerne ich natürlich auswendig.

Und wie ist es mit den Puppen und der Ausstattung?

Auch das Bühnenbild entsteht im Laufe der Proben, und ich baue es größtenteils selbst – was nicht zuletzt mit den Kosten zu tun hat. Ähnlich verhält es sich mit den Puppen. Hilfe bekomme ich manchmal von Freunden, die ebenfalls kreative Berufe haben. Einen Regisseur brauche ich aber immer.

Wie viele Stücke haben Sie im Repertoire, und wo treten Sie in „normalen Zeiten“ damit auf?

Sechs Stücke sind jederzeit abrufbar. Meine Auftritte habe ich zu 75 Prozent bei privaten Veranstaltungen; darüber hinaus spiele ich auf Festivals und in kleinen freien Theatern wie in der Zschoner Mühle. 2018 hatte ich mit „Ein Krokodil taucht ab“ ein Gastengagement bei den Landesbühnen.

Und wie lief es seit Beginn der Corona-Pandemie?

Nach der ersten Zwangspause konnte ich im Sommer bei der Kasperiade in Radebeul auftreten, dann gab’s noch ein paar einzelne Vorstellungen. Aber viele Auftraggeber waren einfach zu sehr verunsichert, um mich zu buchen, und einige bereits feststehende Termine wurden sogar abgesagt. Das letzte Mal habe ich Mitte Oktober 2020 gespielt.

Was tun Sie stattdessen?

Ich unterstütze meine beiden Kinder beim Homeschooling, habe auch schon die Wohnung vorgerichtet und Hochbetten gebaut. Außerdem schreibe ich die Geschichten auf, die ich meinen Kindern zum Einschlafen erzähle. Ob daraus ein Buch wird, weiß ich noch nicht. Und vielleicht betreue ich demnächst ein Zirkusprojekt. Ich langweile und beklage mich nicht, aber schön ist die Situation natürlich auch nicht.

Wie sieht es mit neuen Puppentheater-Projekten aus?

Allzu viel vorbereiten lässt sich da noch nicht, denn ohne einen Zeithorizont kann ich keine Kosten verursachen. Und es ist ja nach wie vor unklar, wann ich wieder gebucht werde – so richtig Hoffnung mache ich mir eigentlich erst aufs Weihnachtsgeschäft. Im Sommer könnte allenfalls spontan etwas passieren.

GESPRÄCH: BIRGIT HILBIG

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.