236 Täter nach Ausschreitungen bei Aufstiegsspiel identifiziert

Ausschreitungen bei Aufstiegsspiel
Foto: Jens Wolf/Archiv

Sechs Monate sind seit den Ausschreitungen am Rudolf-Harbig-Stadion vergangen. Die Soko Hauptallee zieht Bilanz.

Ein halbes Jahr nach den Ausschreitungen vom 16. Mai 2021 am Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden zieht die Soko Hauptallee eine Zwischenbilanz: Die zurzeit 44 Ermittler haben insbesondere durch die Auswertung von Videomaterial mehr als 600 Gewalttäter ausgemacht. 236 von ihnen wurden zweifelsfrei identifiziert.

„Allein die bloßen Zahlen verschaffen einen Eindruck von den Ausmaßen des Geschehens und der Größe der Aufgabe für die Soko Hauptallee“, sagt Soko-Leiter Enrico Lange (37). „Gegen alle Tatverdächtigen wird wegen schweren Landfriedensbruchs und anderer Straftaten ermittelt.“

Der weit überwiegende Teil der bisher ermittelten Tatverdächtigen kommt aus Dresden und umliegenden Gemeinden. Es handelt sich bis auf fünf Frauen ausschließlich um Männer, ihr Alter liegt zwischen 15 und 69 Jahren. Mit Ausnahme eines Kirgisen haben alle Tatverdächtigen die deutsche Staatsangehörigkeit. Noch in diesem Jahr wird die Soko Hauptallee eine dreistellige Anzahl von Ermittlungsverfahren zur Anklagereife bringen. Gegen 103 der Tatverdächtigen wurde bislang ein Stadionverbot bei der SG Dynamo Dresden angeregt.

Seit dem Beginn der Ermittlungen hat die Soko Hauptallee vier Plakate mit den Bildern von 80 Tatverdächtigen veröffentlicht und dazu 171 Hinweise aus der Bevölkerung erhalten. Dank dessen konnten 67 Personen identifiziert werden. 43 von ihnen haben sich kurze Zeit nach Veröffentlichung der Fahndungsbilder selbst gestellt. „Der Erfolg der Öffentlichkeitsfahndungen bestätigt uns, dass solche Gewalttaten von weiten Teilen der Bevölkerung, aber auch der Fanszene nicht akzeptiert werden. Weitere Fahndungsplakate werden folgen“, kündigt Enrico Lange an. „Wir werden bei unserer Ermittlungsarbeit nicht nachlassen. Unser Ziel ist es, alle Gewalttäter aus der Anonymität zu holen.“

Das ist die Soko Hauptallee

Die Soko Hauptallee wurde am 17. Mai 2021 und damit einen Tag nach den Vorkommnissen im Zusammenhang mit dem Drittliga-Fußballspiel SG Dynamo Dresden gegen Türkgücü München ins Leben gerufen. Nach zunächst friedlichem Verlauf kam es am 16. Mai 2021 zu Ausschreitungen, bei denen einige Hundert der in Stadionnähe Versammelten Steine, Flaschen und anderes auf Polizisten warfen oder sie mit Händen und Füßen attackierten. 185 Polizeibeamte wurden verletzt, davon 49 Beamte der Bundespolizei. 30 Polizisten waren danach zeitweise dienstunfähig, sechs mussten stationär behandelt werden.

Bei der Soko Hauptallee wird die Polizeidirektion Dresden personell in großem Umfang von der Bundespolizei unterstützt. Hauptaufgabe ist nach wie vor die Auswertung von Videomaterial vom 16. Mai 2021 und die Ermittlung von Tatverdächtigen und Tatvorwürfen.

Im Zuge der Ermittlungen wurden am 22. Juli 2021 insgesamt 55 Wohnungen in Sachsen und Brandenburg durchsucht und dabei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt. Fünf Tatverdächtige kamen in Untersuchungshaft. Damit fahndet die Soko Hauptallee noch nach zehn Personen öffentlich.

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