Dixieland: Vorfreude auf Heimspiel der Lokalmatadoren

Blue Wonder Jazzband Foto: JDF/Archiv

Teil 4 der DAWO!-Serie zum 50. Dixieland Festival Dresden befasst sich heute mit den Lieblingsbands der Dresden: Blue Wonder Jazzband und Elb Meadow Ramblers

Es gibt genügend Leute, die denken, mit „Ice Cream“ (I Scream) hätte der Jazz begonnen. Was in den 50er Jahren die Pop Charts erstürmte, hatte allerdings schon Jahrzehnte vorher angefangen: Der Jass – anfangs wirklich so geschrieben. In den 20er Jahren begann durch die Erfindung der Schallplatte die „Tontechnische Konservierung“, die den Grundstein für den Welterfolg einer bis dahin kaum bekannten Musikform schuf – „Jazz“ genannt.

Dresden und der Jazz – schon immer verbunden

Als das Internationale Dixieland Festival 1971 in Dresden aus der Taufe gehoben wurde, wusste niemand, welche Entwicklung es nehmen würde. Wer zurückblickt, weiß um die Mühen, um die großen Anstrengungen auf dem Weg, sich zu etablieren. Geholfen haben dabei vor allem die Dresdner, weil sie sich mit ihrem Festival identifiziert haben, es leben, ihm seit über 50 Jahren verbunden sind und sich schon Monate vorher auf jene Tage im Mai freuen, die dem Dixieland, d.h., dem Oldtime-Jazz, ganz und gar gehören.

Doch die Verbundenheit der Dresdner mit dem Jazz besteht nicht erst seit dem ersten Festival. „Dresden und die Jazzmusik waren und sind ein begnadetes, seit der ,Geburt‘ sich formendes, immer neu ergänzendes und mit ,Eigengewächsen‘ zunehmend hehres Paar der Tonkunst und das vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis heute“, schreibt der Dresdner Journalist und Autor Klaus Wilk in seinem Buch „Jazz – Dresden – Jazz“ (NOTschriften Verlag Radebeul, 2020).

Deutschlands dienstälteste Amateur-Jazzband

Den Grundstein für die Begeisterung der Dresdner für diese Musik legten nach dem zweiten Weltkrieg junge Musiker, die sich zum gemeinsamen Spielen zusammenfanden, verschiedene Jazz-Zirkel gründeten und vor allem in den Tanzlokalen der Stadt mit ihren Auftritten für Stimmung sorgten. Günter Hörig und seine Tanzsinfoniker, Joe Dixie, Heinz Kretschmar und Theo Schuman mit ihren Orchestern sowie die 1955 gegründeten Elb Meadow Ramblers waren an der Entwicklung der Dresdner Jazzszene wesentlich beteiligt.

Elb Meadow Ramblers Foto: IDF/Archiv


Die „Elbwiesen-Wanderer“ sind heute, 67 Jahre nach ihrer Gründung, zweifelsohne die dienstälteste Amateur-Dixieland-Band Deutschlands und haben selbstverständlich an einigen Kapiteln der Dresdner Festival-Annalen mitgeschrieben. Am 13. März 1955, einem Sonntag, fanden sich sieben Studenten und Schüler auf den Elbwiesen in der „Volksgaststätte Elbfrieden“ (vormals „Eis-Krause) zusammen und starteten ihren gemeinsamen musikalischen Weg, der sie in den folgenden Jahren über ungezählte große und kleine Bühnen, Konzertsäle, Klubs und Tanzsäle führen sollte. Zu den Mitstreitern der Anfangszeit zählten auch der Gitarre und Banjo spielende Schauspieler Wolfgang Dehler und „Dr. Jazz“ Karlheinz Drechsel am Schlagzeug. In den ersten Jahren tendierten die „Ramblers“ zu den ältesten Spielarten des traditionellen Jazz.

Durch Umformierungen und Veränderungen der Band wird heute eine Synthese zwischen Oldtime und Mainstream bevorzugt. Ein Höhepunkt in der Band-Geschichte war zweifelsohne der Live-Mitschnitt des Norddeutschen Rundfunks „Musik kennt keine Grenzen“ (zu DDR-Zeit 1987!) in den Kellergewölben des Kurländer Palais. Heute musizieren die Elb Meadow Ramblers im In- und Ausland in Konzerten, zu Jazz Jam Sessions, auf verschiedenen Veranstaltungen und Festen. Dabei begeistern sie nach wie vor das Publikum und überzeugen mit ihrem variablen musikalischen Profil mit vierstimmigem Bläsersatz.

Zusammen im Konzert mit den „drei großen Bs“

Wenn die Urväter und Veranstalter des Dresdner Festivals seinerzeit die DDR-Kulturfunktionäre aufklären wollten, dass Dixieland „so ein Zwischending von Singebewegung der FDJ und Böhmischer Blasmusik“ sei, dann lagen sie (unwissenderweise) gar nicht so falsch. Denn die Mitglieder einer Dresdner Lieblingsband machten schon in der Singebewegung der DDR zusammen Musik.

1972 löste sich die Gruppe „Pasaremos“, die Singegruppe der TU Dresden, auf. Doch drei Mitglieder wollten unbedingt noch weiter gemeinsam musizieren. Ein Jahr zuvor war das Internationale Dixielandfestival in ihrer Heimatstadt aus der Taufe gehoben worden, das war wohl Motivation genug, um eine Jazzband zu gründen.

Im Januar 1975 stellten sich sieben junge Männer im Kulturpalast dem Dresdner Publikum vor und wurden dort von den Zuschauern als Blue Wonder Jazzband getauft. Seit diesem Jahr spielen die sieben Amateur-Musiker in unveränderter Besetzung – das ist zweifelsohne Weltrekord! Neun Jahre nach ihrer Gründung erlebte die Band ihre Festival-Premiere und ist seitdem in jedem Jahr (bis auf eine Ausnahme 1994) vielumjubelt im Programm zu erleben. Ein absolutes Highlight für die Band war der gemeinsame Auftrritt mit den „drei großen Bs“ des Jazz – Chris Barber, Mr. Acker Bilk und Kernny Ball – bei ihrem vielumjubelten Konzert im Jahr 2000 zum 30. Festival.

Von Anfang an haben sich die Blue Wonder-Musiker dem Chicago-Jazz der 1920er und 1930er Jahre verschrieben und präsentieren diesen in unverwechselbaren Arrangements mit ihrem unverwechselbaren dreistimmigen Satzgesang. Ihre zündende, nicht alltägliche Musik verrät nur vagen Bezug zum klassischen Dixieland, sondern ist vielmehr an den früheren Orchesterklängen eines Jelly Roll Morton, Louis Armstrong oder auch Duke Ellington orientiert. Wo die Band auch spielt – egal, ob im In- oder Ausland – gerät sie zum „Volltreffer“.
Freuen wir uns auf ein stimmungsvolles 50. Dixielandfestival mit zwei echten Dresdner musikalischen Wahrzeichen.

Autor: Ekki Garten

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