Frisch geerntet im Tafelgarten für die Dresdner Tafel

Tafelgarten Messering
Ute Kronfeld hält als Praxisanleiterin die Fäden fest in der Hand. Foto: Pönisch

Die Anlage am Messering ist ein lehrbuchreifer Mustergarten. Hier pflanzen, jäten und ernten Langzeitarbeitslose. Ihr Obst und Gemüse kommt dem Dresdner Tafel e.V. zugute.

Mittwoch ist Abholtag. Bis 10 Uhr müssen die Kisten mit dem frischen Gemüse und dem Obst gepackt sein. Also heißt es gleich nach der Gieß-Runde am frühen Morgen: Ran ans Gemüse und ernten. „Heute geben wir etliche Kisten mit frischem Salat, Radieschen, Gurken, Ruccola und Zucchini mit“, sagt Projektleiterin Ute Kronfeld.

Ein Mustergarten, der jedes Gärtnerherz höher schlagen lässt

Der Tafelgarten am Messering ist ein Muster an kleingärtnerischem Können. Er könnte glatt als Schaugarten Einzug halten in diversen Land-Lust-Garten-Zeitschriften. Akkurat reiht sich Beet an Beet, akkurat steht das Gemüse, Zeile neben Zeile, kaum ein Unkräutlein, das diese gärtnerische Perfektion stört.


Selbst die zahlreichen Wege, die sich durch den 3.300 Quadratmeter großen Tafelgarten ziehen, sind sauber geharkt. „Ja, darauf sind wir hier schon stolz, auf unser kleines Paradies“, sagt Ute Kronfeld. Sie ist die Praxisanleiterin, hat sozusagen die Harke fest in der Hand und dirigiert mit viel Empathie und zwei großen grünen Daumen ihre kleine „Gärtnertruppe. Aktuell sind das acht Männer und vier Frauen. Alle langzeitarbeitslos, ohne oder nur mit minimalen Chancen auf dem ersten Arbeitsweg. Alle jedoch hochmotiviert und mit Eifer am säen, jäten, ackern, zupfen und ernten, denn „die Arbeit hier gibt ihnen Selbstvertrauen, sie leisten mit ihren Händen etwas Sinnvolles“, sagt Ute Kronfeld. „Wir schauen am Ende jeden Tages auf diesen Garten und freuen uns jedes Mal über das, was wir wieder geschafft haben.“

Manfred Kuss und Uwe Seifert (v.l.) arbeiten sehr gern im Tafelgarten.


Und wenn sie so schauen auf ihr kleines Gartenglück, dann sehen sie ein 240 Quadratmeter groß es Kartoffelfeld, auf dem „Luise“ und „Laura“ kartoffelkäferfrei gedeihen, sie schauen auf ihre 320 Tomatenpflanzen, von denen einige sogar privilegiert im eigenen Partyzelt wachsen. Sie schauen auf 160 Kohlrabi, 110 Mangoldpflanzen, auf Möhren, Rote Beete, Zwiebeln, auf Kürbis-, Gurken- und Zucchinipflanzen, auf unzählige Kräuterbeete und Zuckermais, eine liebevoll dekorierte Kräuterschnecke, auf Regentonnen, drei Igelhäuser und diverse Insektenhotels. Und auf eine schicke Weinlaube aus Metall, in der gemeinsam Pause gemacht wird.

Eins greift ins andere: Metallbau für den Tafelgarten

Den Tafelgarten an der Pieschener Allee gibt es schon seit 2016. Bis 2019 wurde er vom Bildungsträger DPFA betrieben, angeschoben hatte das Projekt damals der Stadtverband „Dresdner Gartenfreunde“.


Vor zwei Jahren übernahm der Verein „Jugend Arbeit Bildung“ das Areal. Der JAB e.V. kümmert sich seit 30 Jahren um Arbeitsmaßnahmen für Langzeitarbeitslose und neuerdings auch Geflüchtete, es geht dabei um sogenannte Ein-Euro-Jobs. „Im Grund geht es aber vor allem darum, Menschen eine sinnvolle Tätigkeit zu beschaffen und ihnen dadurch eine gewisse Tagesstruktur zu geben“, sagt Geschäftsführerin Christine Graf. Zum Beispiel in den sechs Holz-, Metall- und Kreativwerkstätten auf der Bismarckstraße, dem Sitz des Vereins. Hier entstehen Nistkästen und Insektenhotels, werden alte Fahrräder auf Vordermann gebracht, Theaterkostüme für Kitakinder genäht, Bänke gebaut oder Näharbeiten erledigt. Hier entstand auch jene Laube , an deren Streben nun junge Reben ranken und schon im kommenden Jahr Schatten spenden. Oder der Rosenbogen, der als Gartenraumteiler den Tafelgarten ziert.


Nur ein Wermutstropfen trübt das Gartenglück auf der Ostra-Halbinsel: Wie alle Maßnahmen des JAB ist auch jene im Tafelgarten zeitlich begrenzt. Die Gartensaison läuft hier vom 1. April bis 31. Oktober. Zwei Jahre hintereinander können die Teilnehmer hier ackern, dann müssen sie ein Jahr aussetzen und mit viel
Glück klappt es dann erneut im Mustergartenparadies.

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