Zwischen „Slaughterhouse 5“ und Fettschmelze

Messe-Ostra-Entdeckertour Danilo Hommel
Stadtführer Danilo Hommel startet am 7. August mit einer neuen Führung durch das Messe-Ostra-Areal. Foto: Pönisch

Stadtführer Danilo Hommel kennt viele Geheimnisse im Ostra-Areal. Ab 7. August lädt er zu einer neuen „Messe-Ostra-Entdeckertour“ ein.

Welche Rolle spielen eigentlich der Schriftsteller Kurt Vonnegut und sein Buch „Slaughterhouse 5“ im kulturhistorischen Gedächtnis der Stadt? Die ehrliche Antwort darauf lautet: Fast keine. „Es ist schon verrückt, dass Amerikaner und Belgier nach Dresden kommen, um hier auf Spurensuche nach dem einstigen Ort für amerikanische Kriegsgefangene zu gehen und die meisten Dresdner davon nie etwas gehört haben“, bestätigt Danilo Hommel.


Doch das soll sich nun ändern. Hommel, ein Urgestein in der Dresdner Stadtführer-Szene, will nicht nur das Geheimnis von Schlachthaus (Slaughterhouse) 5 lüften, sondern noch viel mehr über das Messe-Areal verraten. Denn wer heute „Messe“ oder Ostragehege sagt, meint vor allem Messehallen, Ostra-Dome, die Open Air-Fläche „Rinne“ und den einstigen Rinderstall, in dem bis 2018 die Dinnershow „Mafia Mia“ beheimatet war. Aber dass dieses riesige, unter Denkmalschutz stehende Gebäudeensemble im Ostragehege einst Dresdens großer Schlachthof war, das wissen viele Dresdner nicht mehr. Und dass es hier einiges zu entdecken und erfahren gibt, erst recht nicht.

Zeitreise mit vielen Anekdoten

„Hier, seht ihr diese Einschusslöcher?“ Danilo Hommel zeigt auf die Stelle an der Wand jenes unsanierten Hauses, das einst als Futterstall diente und zuletzt einige Jahre lang die Kunstausstellung Ostrale beherbergte. „An der Wand stand noch der Schriftzug ‚Leitern für Luftschutz‘. Den hat ein emsiger Ostrale-Künstler aber vor fünf Jahren übermalt.“
Hommel weiß auch genau, wo die 150 amerikanischen Soldaten von Januar bis April 1945 untergebracht werden. Er zeigt über den Springbrunnensee zwischen den alten Schweine- und Rinderhallen in Richtung Norden. Die Hallen sind heute abgerissen, aber „da hinten müssen sie laut der Schilderungen in dem Buch gewesen sein.“


Vonnegut und dessen Buch „Slaughterhouse 5“ brachten den 55-Jährigen schon vor zehn Jahren auf seine spezielle Vonnegut-Führung, die übrigens in der alten Messehalle 1 beginnt. Dort im Keller wurde 2012 eine Gedenkwand an den Schriftsteller, sein in den USA überaus populäres Buch und die Ereignisse im Frühjahr ´45 eingeweiht. Hier startet nun auch Hommels neue Führung „Messe-Ostra-Entdeckertour“ und er hat so einiges zu verraten. Zum Beispiel, dass der heute ungenutzte „Schweinedom“ eigentlich ein ganz normaler Schornstein des Kraftwerkes war, in dem Strom für den Schlachthof und Eis für die Kühlung hergestellt wurden. Und dass Hans Erlwein, Dresdens berühmter Baumeister des jungen 20. Jahrhunderts, vom Stadtrat einst den Auftrag erhielt, die nüchterne Esse hübsch zu verpacken, damit sie die Sichtachsen zur Barockstadt nicht stört. „Deshalb erinnert der Schweinedom heute eher an die Frauenkirche als an einen qualmenden Schlot“, lacht Hommel.


Oder die alte Fettschmelze, heute ein moderner Bürokomplex: „Hier wurden Tran und Fette hergestellt, noch bis 1994 war das Haus in Betrieb.“ Und natürlich weiß der Ur-Dresdner auch, was es mit den zwei sanierten Wandbildern von August Strohriegel an Messehalle 1 und schräg gegenüber am einstigen Sitz der Geschäftsleitung auf sich hat. Hommel kennt sich in der Börse aus, heute Sitz der Dresden Marketing GmbH, und er führt seine Gäste zum Ende der Tour in den kleinen, feinen „Eselstall“, eine gerade erst fertiggestellte neue Eventlocation.
Zwei Stunden wird die Tour (mindestens) dauern, an deren Ende nicht nur die Fragen nach Vonnegut und seinem Buch beantwortet sind.

Erste Führung 7. August 2022, 11 Uhr, Treff Eingang Messehalle 1, Tickets 17 Euro p.P., vorherige Anmeldung unbedingt
erforderlich

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