Globus-Markt: Ansiedlung in der Friedrichstadt „verstößt elementar gegen Bauplanungsrecht“

Globus-Markt

Handelsverband Sachsen, Dresdner Einzelhändler und das Citymanagement machen mobil gegen die Pläne der Stadt Dresden, dass sich auf einem Areal zwischen Hamburger und Bremer Straße ein Globus-Markt ansiedeln kann.

10.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, 800 kostenlose Parkplätze und kaum fünf Straßenbahn-Minuten vom Postplatz entfernt: Das Bauvorhaben Globus-Markt in der Friedrichstadt hat eine gewisse Dimension. Um sie zu verdeutlichen: In den neuen Globus-Markt würden alle Dresdner Konsum-Filialen passen oder vier Edeka-Märkte so groß wie jener auf der Hamburger Straße. Kein Wunder also, dass der Handelsverband Sachsen, aber auch das Citymanagement Dresden und Dresdner Einzelhändler wie John Scheller (u.a. Edeka Hamburger Straße ), Stefan Lamke (Rewe-Märkte Friedrichstraße und Schweriner Straße) sowie Konsum-Vorstand Roger Ulke dagegen jetzt mobil machen.

Warum ein Globus-Markt in der Friedrichstadt fehlt am Platz sein soll

David Tobias, Geschäftsführer Handelsverband Sachsen e. V.: „Globus platziert nach eigenen Angaben bis zu 100.000 Artikel in seinen Großmärkten. Etwa 25.000 bis 30.000 Kunden besuchen ein SB-Warenhaus pro Woche. Die negative Auswirkung auf die Innenstadt und weitere Stadtteile ist unstrittig. Doch das Einzugsgebiet umfasst weit mehr als 200.000 Einwohner. Die Anfahrtszeiten betragen regelmäßig 35 Fahrminuten und mehr. Der mit Blick auf den Pkw- und Lkw-Verkehr bereits jetzt stark überlastete Bereich Friedrichstadt bis Flügelwegbrücke wird einem sehr deutlichen zusätzlichen Verkehrsaufkommen ausgesetzt.“

Prof. Dr. Thomas Dünchheim, Spezialist für planungsrechtliche Fragen von Einzelhandelszentren, hat insgesamt elf Verstöße ausgemacht: „Der beabsichtigte, vorhabenbezogene Bebauungsplan verstößt elementar gegen Bauplanungsrecht. Er stellt eine bloße, von privatem Interesse gesteuerte, unzulässige Gefälligkeitsplanung dar, um aus Sicht der Stadt Dresden eine Kompromisslösung für den Alten Bahnhof in Dresden zu erreichen. Dies ist planungsrechtlich unzulässig. Ferner verstößt das Vorhaben gegen die Ziele des Landesentwicklungsplans Sachsen, insbesondere das Integrationsgebot und das Beeinträchtigungsverbot. Es ist nicht einmal im Ansatz erkennbar, wie dieses bisherige Gewerbegebiet künftig als ‚zentraler Versorgungsbereich‘ fehlerfrei ausgewiesen werden soll.“ Die bisher vorgesehene Planung würde Angreifern und Wettbewerbern prozessual Tür und Tor öffnen, so dass die Stadt jahrelang in gerichtliche Streitigkeiten verwickelt sein wird.

Christian Polkow, Vorstand Citymanagement Dresden & Centermanager Altmarkt-Galerie Dresden: „Mindestens ein Drittel der Verkaufsfläche von Globus sind aus der Erfahrung heraus dem innenstadtrelevanten Non-Food-Sortiment zuzuordnen. Hinzukommen Dienstleistungen und nicht zuletzt auch eine gut ausgebaute Gastronomie zum Parkgebühr-Nulltarif. Es ist offensichtlich, dass eine Globus Ansiedlung in direkter Innenstadtnähe zu neuen Problemen für den innerstädtischen Einzelhandel führen wird.“

Roger Ulke, Vorstandsvorsitzender KONSUM Dresden eG: „Zur Einordnung der Thematik reicht ein Fakt: Der Standort wird annähernd so viel Umsatz machen, wie der KONSUM mit allen Dresdner Märkten zusammen. Die Dimensionen sind unübertroffen in unserer Region.“ Der Jahresumsatz der Konsum-Märkte liegt bei 70 Millionen Euro. Der neue Globus-Markt würde mindestens 350 Arbeitskräfte benötigen, was bei der derzeitigen Arbeitsmarktlage im Einzelhandel eine echte Herausforderung wäre.

Stefan Lamke, selbstständiger REWE-Kaufmann, lebt seit 2012 in der Friedrichstadt und eröffnete 2021 auf der Friedrichstraße seinen zweiten Rewe-Markt: „Wir sehen uns nicht nur als Einzelhändler, wollen nicht anonym bleiben, sondern bringen uns mit unserem Team aktiv in das Leben in der Friedrichstadt ein. Mit den Dimensionen eines SB-Warenhauses sind unsere Grundsätze demnach nur schwer vereinbar.“

John Scheller, selbstständiger EDEKA-Kaufmann aus Dresden-Cotta: „Wir befinden uns in einer Zeit, die sich vor allem durch Kaufzurückhaltung charakterisiert. Der Konsumklimaindex ist stark zurückgegangen, allein im Oktober um 46 Punkte. Der Rückzug des Lidl am Postplatz sowie die Schließung der Bio Company sind hier nur die ersten Vorboten. Es ist deshalb mindestens fraglich, ob das Konzept eines solchen Konsumtempels überhaupt noch zeitgemäß ist.“

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