Wandelbots macht mit TracePen Programmieren kinderleicht

Wandelbots
Marc Buhlmann (li.) erklärt Sachsens Kultusminister Christian Piwarz "seinen" Roboter Foto: Pönisch

Der Einsatz von Robotern gehört in vielen Betrieben längst zum Alltag. Aber auch am BSZ für Elektrotechnik Dresden hat nun „Professor Roboter“ ins Klassenzimmer Einzug gehalten. Dafür sorgte das Dresdner Start-up Wandelbots.

Natürlich stellt sich erst einmal der berüchtigte Vorführeffekt ein. Statt sich zu bewegen, zickt der Roboter rum. Es braucht etliche Klicks auf dem kleinen Tablet, doch dann tut er endlich das, was er Sachsens Kultusminister Christian Piwarz, Dresdens Bildungsbürgermeister Jan Donhauser und der zahlreich versammelten Presse zeigen soll. Langsam setzt er seinen Arm in Bewegung, streckt sich, dreht sich um seine Achse und nähert sich den kleinen schwarzen Würfeln, die vor ihm aufgebaut sind. Der Roboter soll sie greifen und in einer Reihe stellen. Er könnte theoretisch auch eine Schweißnaht ziehen oder Sektgläser reichen, wenn er den entsprechenden Auftrag hätte. Heute sind es die kleinen Würfel, die er sortieren soll. Einige sind aus Kunststoff, die anderen aus Metall. Der Roboter soll sie am Material erkennen und auf ein kleines Laufband stellen. Das transportiert die Würfel an eine speicherprogrammierte Steuerung – kurz SPS genannt. Daraufhin setzen sich zwei Schienen in Bewegung und die Würfel landen getrennt nach ihrem Material entweder auf der einen oder der anderen Schiene. Was nichts anderes heißt als: Aufgabe erfolgreich gemeistert.

„Wir brauchen dringend Fachkräfte, die programmieren können, und eine ‚Sprache‘, die alle Computer verstehen“

Marc Buhlmann ist 24 Jahre alt und ab 17. Januar nach vier Jahren Lehrzeit fertig ausgebildeter Mechatroniker. Gerade mal acht Unterrichtsstunden brauchte der junge Mann, um den Roboter und die Steuerung zu programmieren und beides miteinander zu verbinden. Sein Ausbildungsbetrieb ist das Fraunhofer Institut für Werkstoff- und Strahltechnik, seinen Theorieunterricht absolvierte Marc am Dresdner BSZ für Elektrotechnik.


Hier in der Schule am Strehlener Platz gibt es zwei solcher Roboter und dass sie sich so problemlos von Azubis bedienen lassen, daran hat die Firma Wandelbots einen großen Anteil. Denn das Dresdner Robotiksoftware-Unternehmen, das 2017 als Start-up gegründet wurde und heute bereits 186 Mitarbeiter zählt, hat ein Ziel: Ganz gleich, ob jemand bereits programmieren kann oder nicht – für das Arbeiten mit der Wandelbots-Technologie braucht es keine Vorkenntnisse. „Die No-Code-Lösung „Wandelbots Teaching“ basiert auf einer agnostischen Software mit einer einfach zu bedienenden Benutzeroberfläche, die für jeden Roboter gleich funktioniert. Dabei werden Nutzer befähigt, Roboter selbstständig anzulernen, ohne über Programmierkenntnisse zu verfügen“, erklärt Gründer und Geschäftsführer Christian Piechnick.


Das wiederum klingt für einen Laien und garantiert auch für einen Azubi im ersten Lehrjahr zunächst ziemlich „fachchinesisch“, meint aber im Grund folgendes: Jeder Hersteller von Industrierobotern verwendet für seine Helferchen eine eigene Software. Was dazu führt, dass sich ein Robotersystem von Siemens eben nicht einfach so mit einem von KUKA verständigen kann und dass jemand, der diese beiden Roboter programmieren und für einen Arbeitsprozess miteinander verbinden will, eben auch zwei Software-Sprachen sprechen muss.

Um das zu vermeiden, hat Wandelbots den TracePen entwickelt. Das ist ein Eingabegerät in Form eines überdimensionierten Stiftes, der eine programmierfreie und einheitliche Bedienung aller Industrieroboter ermöglicht.
Genau das war auch der Grund für Sachsens Kultusministerium, das Dresdner Berufsschulzentrum finanziell bei der Anschaffung der Wandelbots-Technik zu unterstützen. „Wir müssen unsere Schüler auf die neuen Anforderungen im Berufsleben vorbereiten. Dazu gehört auch die Robotik“, weiß Minister Piewarz. „So bringen wir das Robotik-Know-How in die produzierenden sächsischen Betriebe und vergrößern den Talentpool für sächsische Automatisierungsunternehmen.“

Längst hat der kleine Schulroboter seine Startschwierigkeiten beim Minister-Presse-Termin überwunden. Wieder und wieder greift und sortiert er die schwarzen Würfel. Und wieder und wieder erklärt Marc Buhlmann, was er gelernt hat in den vergangenen vier Jahren. Und dass bald jeder Schüler kann, was er schon kann und dass sie dabei alle keine Programmier-Experten sein müssen. Jene Betriebe, in denen die am BSZ für Elektrotechnik ausgebildeten Fachleute für Elektrotechnik, Informationstechnik, Mechatronik und Mikrotechnologie einmal arbeiten werden, können sicher sein: Dieser Nachwuchs kann Roboter zum Arbeiten bringen.

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