Ein Aufzug zur Brühlschen Terrasse?

Ein Außenlift zwischen Freitreppe und Ständehaus (rechts) als barrierefreier Zugang zur Brühlschen Terrasse würde die historisch bedeutsame historische Ansicht beeinträchtigen. Daher wird er nun im Ständehausturm geplant, zugänglich über die rechte Tür in der Nische. Foto: Una Giesecke

Der erste, der auch schon der Meinung war, die Brühlsche Terrasse sollte allen offenstehen, war Fürst Repnin-Wolkonski. Daher ließ der Chef der russischen Besatzung nach dem Sieg über Napoleon die Freitreppe anlegen. Wo sich zuvor Diplomaten aus aller Herren Länder in den Gärten des sächsischen Premierministers Grafen Heinrich Brühl die Klinke in die Hand gaben – weshalb man vom Balkon Europas sprach –, gehen heute Einheimische und Gäste aus aller Welt spazieren. Unter einer Voraussetzung: Sie können problemlos Treppe steigen. Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte oder Eltern mit Kinderwagen sind auf fremde Hilfe angewiesen oder müssen einen halben Kilometer Umweg ans andere Ende in Kauf nehmen.
„An so einer exponierten Stelle ist dies unzumutbar“, erklärt der ehemalige Altstädter Ortsamtsleiter Dietrich Ewers. Auf die Touristenhochburg werfe das kein gutes Licht. „Dass touristische Angebote so weit wie möglich barrierefrei gestaltet sein sollten, gehört heute zum internationalen Standard in der Tourismusbranche“, pflichtet Bettina Bunge, Chefin der Dresden Marketinggesellschaft, der Forderung bei. Ewers hatte dafür bereits vor Jahren über 1 000 Unterschriften gesammelt.

Lift soll in den Turm

Das Sächsische Immobilien- und Baumanagement (SIB) hatte die Kosten für einen Aufzug auf rund eine Million Euro geschätzt. Ewers hingegen sagt, dass220 000 bis zu 250 000 Euro schon genügen würden für einen gläsernen Lift an der Seitenmauer. Die Schätzung stamme von renommierten Firmen, von der frühere SPD-Stadtratdenen er unverbindliche Angebote erfragt hatte.
Dies könnte die Stadt, die sich an den Kosten beteiligt, vielleicht sogar allein finanzieren. Doch die Stadt will nur 250 000 Euro dazugeben. Deshalb müsste sie eigentlich die Glasversion favorisieren. Es wurden zwar mehrere Stellen geprüft, aber ein Fahrstuhl direkt an der Treppe komme nicht infrage, sagt Rathaussprecherin Diana Petters. „Der Aufgang mit den Plastiken von europäischem Rang ist kulturhistorisch zu bedeutsam.“
Ein moderner Anbau würde vermutlich die denkmalgeschützte Ansicht stören.

Das SIB ist jedenfalls auch dagegen. „Nach Untersuchung verschiedener Lösungsvarianten – von denen eine ein frei stehendes gläsernes Aufzugsbauwerk mit Anschluss an die Brühlsche Terrasse war – haben wir aus wirtschaftlichen Gründen entschieden, einen Aufzug im Turmbereich des Ständehauses zu errichten“, erklärt Sprecherin Andrea Krieger. Die Bedenken, dass das dreigeschossige Gebäude, in dem das Oberlandesgericht und das Landesamt für Denkmalpflege ihren Sitz haben, nicht jederzeit offen sein kann, zerstreut Krieger. Im Gegenteil, die Zugänglichkeit des Ständehauses werde sich durch die barrierefreie Erschließung verbessern.Über dessen Tür – sie befindet sich in der Nische zwischen Freitreppe und Ständehaus – soll der Fahrstuhl erreichbar sein. Eine damit verbundene höhere Summe aber hat das Rathaus nicht locker, nun wackelt der für 2017 angepeilte Baustart. U. Giesecke mit L. Kühl

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