Das Dresdner Kulturkraftwerk als technisches Denkmal

Das Foyer mit nacktem Ziegelstein, Stahlträgern und Portalkran samt Kranführer kultiviert das Industrie-Flair. Foto: Una Giesecke

Schon vor der Eröffnung der beiden ins Zentrum ziehenden Theater am 16./17. Dezember im ehemaligen Kraftwerk Mitte ist neues Leben in das alte Industriedenkmal eingezogen. Im Pförtnerhäuschen hat ein Café eröffnet; Studenten der Hochschule für Musik und des Schütz-Konservatoriums oder die Gäste von Energiemuseum und Kraftwerk-Club gehen seit Längerem ein und aus.
Nachdem am Reformationstag der letzte Operettenvorhang an alter Spielstätte fällt und bevor das Gelände der Bevölkerung auf Rundgängen vorgestellt werden soll, durften Presse-Leute, Umundu-Festivalgäste oder Igeltour-Dozenten schon mal erste Blicke auf die Baustellenfortschritte werfen.
Und die lassen den Charakter des ehemaligen Kraftwerks noch an vielen Stellen erkennen. Schon bei Betreten des Foyers von der Ehrlichstraße aus ist die Denkmalschutz-Auflage nicht zu übersehen: Ziegelsteine, Stahlträger und Portalkran erinnern an raue Tatsachen der „Aurora“-Historie.
Industrie-Charme
Operettenintendant Wolfgang Schaller – nicht zu verwechseln mit seinem nichtverwandten Namensvetter, ebenfalls langjähriger Intendant in Dresden, dem künstlerischen und Leiter der Herkuleskeule – lobt den Fabrikhallencharme. „Ich hab nichts dran auszusetzen, dass er in seiner Schönheit zutage tritt.“

Kernig und ehrlich

Kernige Industrie-Architektur ist in. Man wohnt in Lofts oder bald im früheren Wasserwerk, man stellt in der Zeitenströmung aus, man lässt sich von Hochzeitsfotografen ins rechte Licht rücken – vor unsanierten Kulissen.
Im Saal der Operette indes lassen modernste Einbauten nichts zu wünschen übrig. Der Nachhall ist je nach Genre auf 1,1 bis 1,4 Sekunden dimmbar. Mehr Platz als in Leuben ist im Orchestergraben, für den Klang im Raum und auf den rund 700 Plätzen mit Fußboden-Klimaanlage.
Wolfgang Schaller und seine Leute sind glücklich über all die Verbesserungen. Ein Geschenk, das sie sich nach den langen Interimsjahren nun zum Teil selbst machen. Bis 2021 verzichten die Mitarbeiter auf einen Teil ihres Gehalts. Das macht am Ende 130 Millionen Eigenmittel. „Wo gibts das schon, dass ein solches Haus ein Drittel der Investitionssumme selbst trägt?“, betont Schaller stolz.

Auch das Café im Pförtnerhäuschen setzt auf Retro, nur gemütlicher.  Foto: Una Giesecke
Auch das Café im Pförtnerhäuschen setzt auf Retro, nur gemütlicher.
Foto: Una Giesecke

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