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Unter Dresdens italischem Himmel

Kurator Andreas Dehmer vor Max Klingers „Kolosseum in Rom“ Foto: Una Giesecke

Im Albertinum verlädt zurzeit eine Sonderschau zur sinnenfrohen Stippvisite in den Süden ein. Die üppige Zusammenschau versammelt Italienbilder des 19. Jahrhunderts, die der vom langen Winter und Stadtstress geplagten Seele Balsam und Nahrung bieten. Sinnlich und lehrreich, poetisch und faszinierend zieht die von den Kuratoren Heike Biedermann und Andreas Dehmer gebündelte Schönheit der Motive und Statuen die Gäste in ihren Bann.

Seit Johann Wolfgang von Goethe vor 200 Jahren seine „Italienische Reise“ publiziert hatte, drängt es Sonnen- und Kulturhungrige nach Süden. Touristen und Künstler erklärten das „Land, wo die Zitronen blühen“ zum Sehnsuchtsziel, besuchten zunächst mit Kutsche oder zu Fuß die lichtdurchfluteten Stätten der Antike, den Schmelztiegel Rom, die Kunststädte Florenz, Venedig und Verona. Was Generationen von Malern und Bildhauern dort inspiriert hat und – ähnlich heutigen Ansichtskarten oder Whats-App-Fotos, nur wertvoller, für die Ewigkeit gemacht – die Reiselust ihrer Betrachter weckte, zeigen die rund 130 Werke auf anschauliche, beflügelnde Weise.

Wertvolle Leihgaben

Die meisten haben die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden aus ihren Depots geholt und 36 restauriert, einige sind somit erstmals zu sehen. Hinzu kommen gewichtige Leihgaben aus Berlin, München und Frankfurt sowie London und Kopenhagen. Damit spannt sich der Bogen vom Klassizismus über Romantik und Impressionismus bis zum Realismus mit so bedeutenden Namen wie Max Klinger, Julius Schnorr von Carolsfeld, Ernst Ferdinand Oehme, Ludwig Richter, Adolf Menzel, Carl Blechen, Arnold Böcklin, Anselm Feuerbach oder Hans von Marée.

Den deutschen sind herausragende europäische Vertreter zugesellt wie die Franzosen Claude Lorrain und Nicolas Poussin, deren Landschaftsbilder viele Kollegen beeinflussten, der Däne Thorvaldsen, der Norweger Johan Christian Dahl oder der Brite William Turner. Eine einzige Frau ist dabei: Sophie Sthamer, die nach vielversprechendem Beginn als Gattin des Malers Hermann Prells aufgeben musste. Ihr Orangenzweig reiht sich ein in üppige Naturdarstellungen und markante Küstenlinien, Porträts schöner Menschen und mediterranes Straßenflair.

Wer Glück hat, erlebt ihn draußen sogar selbst: den blauen Himmel über Dresden, den Heinrich von Kleist 1801 italisch nannte. Im Jahr darauf bezeichnete Johann Gottfried Herder die sächsische Metropole als Deutsches oder Elbflorenz. Ob die beiden damit Recht hatten, liegt im Auge des Betrachters. Schließlich ist nicht nur Italien eine Reise wert, auch an der Elbe lässt sich Urlaub machen, und sei es nur ein reizender, erholsamer Zwischenstopp.

Unter Italischen Himmeln, bis zum 28. Mai, Di. bis So., 10 bis 18 Uhr, www.skd.museum

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