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Opernspaß im Taschenformat: Orpheus in der Unterhose

Dorothea Wagner, Marie Hänsel und Cornelius Uhle Dorothea Wagner und Cornelius Uhle probten noch mit nackten Puppen, zu den Vorstellungen tragen aber alle mehr als eine Unterhose. Foto: Una Giesecke

Dresden. Dicht gedrängt sitzt das Publikum vor einem umgebauten Zirkuswagen in der Saloppe. Dort wird alljährlich im Theater-Sommerloch eine Serkowitzer Volksoper gegeben, deren Qualität – keine schiefen Töne, echte Spielfreude und kurzweilige Zusammenfassungen inklusive witziger Kommentare – sich längst herumgesprochen hat.

Im 20. Jahr des subversiven Musiktheaters erscheint „Orpheus in der Unterhose“. Der ausverkaufte Platz unterm Vordach ist regensicher, aber es regnet nicht. Dafür gibt es stürmischen Applaus für die sieben Musiker noch vor dem ersten Ton, wenn sie herausgeputzt einmarschieren. Ella Späte hat mal wieder lustvoll tief in die Klamottenkiste gegriffen, um Milko Kersten, Dietrich Zöllner und Daniel Rothe als Götter Griechenlands und den Dramaturgen Wolf-Dieter Gööck als öffentliche Meinung wie eine Edelnutte herauszustaffieren.

Letzterer glänzt mit flotten Sprüchen über Politik – „Schlimm!“ -, Presse – „Wir brauchen das Schlimme, um uns besser zu fühlen“ – und Volk, das seine bevorzugte Alltagsposition des Beobachters nun auch noch im Theater einnehme. Für den Opernspaß im verständlichen Taschenformat hat Gööck die Handlung konsequent ins Heute geholt.  Kersten hat dazu Gluck und Mozart hübsch aufgemischt. Hieß es bei Mozart beispielsweise noch: „Mann und Weib und Weib und Mann/ reichen an die Gottheit an“, so schmettern nun die vergnügten Darsteller: „Mann und Weib und Weib und – Weib/ genügen sich zum Zeitvertreib.“

In diesem Sinne entwickelt sich die spannende Erzählung von den aufgeblasenen Nichtstuern da oben – „O hohnvolles Betrügen, vermessenes Belügen“ -, die den Menschen unerfüllbare Bedingungen diktieren, und dem darunter leidenden Liebespaar Orpheus und Euridike, das sich am Ende lauthals beschwert. Wie das ausgeht, ist noch in vier Vorstellungen in der Sommerwirtschaft am Elbhang zu erleben.

Die Termine:
31.8. sowie 3., 7. und 9.9., jeweils 19.30 Uhr,
Eintritt 15/7 Euro, plus VVK-Gebühr bzw. 2 Euro Abendkasse,

serkowitzer-volksoper.de

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