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Von Angst und Vorurteilen

Landebühnen Sachen, Willkommen Benny (Moritz Gabriel) will seine Mitbewohnerinnen dafür gewinnen, sein Zimmer während seiner USA-Reise an Flüchtlinge zu vermieten. (Foto: Hagen König)

Radebeul. Zwei Jahre zu spät sei er dran, hatte Tom Quaas noch gedacht. Doch als er und das Ensemble mit den Vorbereitungen zu Lutz Hübners Stück „Willkommen“ begannen, fand er den Zeitpunkt dann doch sehr richtig. „Wir sind ja noch mittendrin. Die Herausforderungen der Integration fangen gerade erst an.“

Das Stück „Willkommen“ erzählt die Geschichte einer bunten Wohngemeinschaft, aus der Benny (Moritz Gabriel) für ein Jahr in Richtung USA entschwinden will. Damit sein Zimmer währenddessen nicht leer steht, möchte er es an Flüchtlinge vermieten. Benny weiß, wie es ihnen geht. Er hat in Unterkünften für Geflüchtete gearbeitet, mit ihnen gesprochen und an ihrem Leben teilgenommen. Das gilt im Übrigen auch im realen Leben für Moritz Gabriel. Nach der Sommerpause war er tatsächlich in Asylbewerberunterkünften in Riesa und Coswig unterwegs.

Die Bühnen-WG ist nun, was die Besetzung des Zimmers betrifft, uneins. Da ist Doro (Sophie Lüpfert), die keine Lust hat, sich von arabischen Männern vorschreiben zu lassen, wie sie zu leben hat. Oder Sophie (Sandra Maria Huimann), die gleich eine Kunstaktion aus diesem Sozialprojekt machen will. Nicht zu vergessen die schwangere Anna (Luca Lehnert), die gern ihren Freund Achmed (Felix Lüdike) bei sich hätte. Aber Moment mal, der ist ja Türke und schon geht es wieder los mit den Vorurteilen.

„Wie viele Flüchtlinge sind eigentlich wirklich zu uns gekommen? Da klafft, besonders in dieser Region, eine Lücke zwischen Realität und Wahrnehmung“, sagt Regisseur Tom Quaas und hofft, dass „Willkommen“ der Auftakt zu einem Mehr an Miteinander werden kann.

So spiegelt die WG denn auch die gesellschaftliche Realität wider, ohne ins Extreme abzuschweifen. Da wird Alltagsrassismus zu humorigen Nebensätzen, die es aber schaffen, das ganze Spektrum der Meinungen über Flüchtlinge, Integration und Gutmenschentum abzubilden. Die Darsteller sollen in ihren Rollen nah bei sich bleiben. „Der Konflikt auf der Bühne muss echt wirken, das war unser Ziel“, verrät Quaas, der mit seinem Ensemble noch eine Woche Zeit hat bis zur Premiere auf der Großen Bühne.
Die steigt am kommenden Sonnabend, 30. September, um 19 Uhr in den Landesbühnen Sachsen. Zuvor, um 18 Uhr, wird im Glashaus des Landestheaters die Ausstellung „Das nackte Leben“ der Fotojournalisten Christoph Püschner und Frank Schultze zum Thema Flucht und Vertreibung eröffnet.

Gastspiel in den USA

Nach der Premiere wartet auf Teile des Ensembles, unter andrem auf Moritz Gabriel, ein ganz besonderes Gastspiel. Vom Auswandern und Ankommen handelt das Reformationsstück „In Gottes eigenem Land“, das die Landesbühnen in englischer Sprache und unter dem Originaltitel „In God’s own country“ am Originalschauplatz im Meroney Theater in North Carolina sowie in Pennsylvania spielen werden. In den USA kommt das Ensemble aus Radebeul mit dem der Amerikaner zusammen. „So entsteht etwas ganz Neues“, verspricht sich Intendant Manuel Schöbel ein tolles Erlebnis für alle.
Die Geschichte von Autor Olaf Hörbe erzählt den Weg von Prediger Heinrich Melchior Mühlenberg, der 1742 in Philadelphia mit den deutschen Zuwanderern die neue lutherische Kirche aufbauen möchte.

Nächste Vorstellungen:

So   01.10.2017   19 Uhr                      Hauptbühne im Rahmen der Interkulturellen Woche
So   12.11.2017   19 Uhr                       Hauptbühne
So   19.11.2017   15 Uhr                       Hauptbühne
Do    07.12.2017     19:30 Uhr              Hauptbühne
Fr      02.02.2018     19:30 Uhr             MEISSEN /Theater
Fr      02.03.2018     20 Uhr                   Hauptbühne
Do    05.04.2018     19:30 Uhr               Hauptbühne

Auskünfte und Kartenverkauf:  Kasse der Landesbühnen Sachsen GmbH , Meißner Str. 152, 01445 Radebeul, Tel. 0351/ 89 54 214, Fax 0351/ 89 54 213, www.landesbuehnen-sachsen.de

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1 Trackback / Pingback

  1. Ein heiteres Stück Gesellschaftskritik – DAWO!

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