Streik legt Kinderbetreuung fast vollständig lahm

Eine Streikweste mit der Aufschrift "Warnstreik" und dem Verdi-Logo. Foto: Stefan Sauer/Archiv
Eine Streikweste mit der Aufschrift "Warnstreik" und dem Verdi-Logo. Foto: Stefan Sauer/Archiv

Dresden. Fast nichts geht mehr. In den Kindertagesstätten in Dresden läuft der Streik auf Hochtouren. Über 60 Kitas sind vollständig geschlossen, weitere 80 Einrichtungen bieten nur bedingt Betreuung der Kinder an. Nur 37 Kitas in der Stadt konnten ohne Einschränkungen öffnen.

Nach ersten Informationen konnten viele Eltern alternative Betreuungsangebote organisieren, weswegen sie der Streik nicht unvermittelt getroffen habe, sagte ein Sprecher der Stadt.

Die Gewerkschaften Verdi und GEW (Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft) haben heute zu Warnstreiks aufgerufen. So soll der Druck für die kommende Verhandlungen in der kommenden Woche zu erhöhen. Die Gewerkschaften fordern für ihre Mitglieder sechs Prozent mehr Lohn, mindestens 200 Euro mehr pro Monat. Die Arbeitgeberseite hat bislang kein eigenes Angebot unterbreitet.

Die Gewerkschaften kündigten außerdem für den späten Vormittag eine Demonstration durch die Innenstadt an, die am Rathaus enden soll. Weil sich viele Arbeitnehmer an der Demonstration beteiligen wollen, wird mit einigen Einschränkungen für den Verkehr gerechnet.

Weitere Informationen hält die Stadt online bereit. Unter www.dresden.de/kitas-streik informiert die Stadt über die Öffnung der Kindertagesstätten. Gleiches gilt für die Telefonhotline, die unter (0351) 488 51 11 erreichbar ist.

News-update, 13. April, 14 Uhr:

Wegen des Warnstreiks im öffentlichen Dienst mussten heute, Freitag, 13. April, insgesamt 52 von 181 städtischen Kitas und Horten in Dresden geschlossen bleiben (neun Kindertageseinrichtungen hatten bereits langfristig einen Schließtag angekündigt und wurden deshalb hier nicht eingerechnet). Weitere 91 Kindertageseinrichtungen konnten ihren Betrieb nur mit Einschränkungen aufrechterhalten. Wegen des streikenden Personals mussten sie ihre Öffnungszeiten reduzieren bzw. konnten nur eine Notbetreuung für wenige Kinder absichern. Die Betriebsleiterin des Eigenbetriebes Kindertageseinrichtungen, Sabine Bibas, schätzt, dass heute etwa 1 200 Erzieherinnen und Erzieher aus städtischen Kindertageseinrichtungen und Horten dem Aufruf zum Warnstreik gefolgt sind. Das entspricht in etwa einem Drittel der Belegschaft. Genaue Zahlen können erst nach Auswertung aller Meldungen vorgelegt werden. Die Auswertung wird noch zwei bis drei Wochen in Anspruch nehmen. Eine räumliche Konzentration des Streikgeschehens war nicht erkennbar. Schätzungsweise 16 000 Kinder waren nach ersten Hochrechnungen vom Warnstreik betroffen.

Aus Sicht der Betriebsleiterin hat es die frühzeitige Kommunikation den Eltern erleichtert, sich auf den Warnstreik einzustellen. Mittels tausender Elternbriefe und des Informationsangebotes auf www.dresden.de konnten Eltern über die erwarteten Auswirkungen am Streiktag informiert werden. Insbesondere die im Internet bereitgestellten Informationen nutzten die Eltern sehr rege. Mehr als 19 900 Zugriffe auf die Seite wurden bis heute 12 Uhr gezählt. An der Service-Hotline des Eigenbetriebes gingen im Laufe des Vormittags nur 113 Anfragen von Eltern ein. Viele Eltern haben scheinbar eine alternative Betreuung für ihre Kinder organisieren können. „Das hat vor allem diejenigen Eltern geholfen, die heute dringend auf eine Betreuung ihrer Kinder angewiesen waren. Ich danke den Dresdner Eltern für ihre Solidarität“, so Sabine Bibas. „An der Hotline haben sich insofern heute keine Dramen abgespielt. Die Eltern äußerten sich überwiegend verständnisvoll über die für alle Beteiligten schwierige Situation. Mit weiteren Streiks wird das Verständnis aber deutlich abnehmen“, ist sich die Betriebsleiterin sicher. Bibas weiter: „Die Eltern benötigen Sicherheit bei der Betreuung ihrer Kinder. Ich hoffe deshalb sehr, dass sich die Tarifparteien auf eine Lösung verständigen können.“

Alle Eltern, die ihre Kinder heute streikbedingt nicht in die Einrichtung gebracht haben, erhalten automatisch eine anteilige Rückerstattung des Elternbeitrages. Eines gesonderten Antrages bedarf es nicht. Die Rückerstattung beträgt ein Zwanzigstel (1/20) des monatlichen Elternbeitrages. Sie wird voraussichtlich mit der Beitragszahlung für den Monat Juli verrechnet. Alle betroffenen Eltern erhalten über die Rückerstattung und Verrechnung einen gesonderten Bescheid. Die Beitragsstelle bittet von zwischenzeitlichen Nachfragen abzusehen.

Der Landeshauptstadt Dresden liegen keine Informationen zu weiteren Arbeitskampfmaßnahmen im Rahmen der aktuellen Tarifrunde im öffentlichen Dienst vor.

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