Handwerk freut sich über Konjunktur und kritisiert Fachkräftemangel

Jörg Dittrich, Präsident der Dresdner Handwerkskammer // Foto: Ronald Bonss

HWK-Präsident warnt: „Der ländliche Raum wurde zu lange vernachlässigt.“

Die Handwerker in Ostsachsen haben alle Hände voll zu tun. In der aktuellen Herbstkonjunkturanalyse der Handwerkskammer Dresden bewerten die Unternehmen ihre derzeitige wirtschaftliche Situation als kaum noch steigerungsfähig. Die Kapazitätsgrenze scheint erreicht zu sein – bedingt u. a. durch den Fachkräftemangel.

Wenige Verbesserungen

„Die aktuelle Geschäftslage wird viel besser eingeschätzt als vor einem Jahr“, hebt Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden, hervor. Da viele Handwerksbetriebe volle Auftragsbücher und sehr hohe Auslastungen vermelden, erwartet aber nur ein kleiner Teil der Unternehmen weitere Verbesserungen für die nahe Zukunft. „Dreh- und Angelpunkt bei der aktuellen Entwicklung ist das Thema Fachkräfte“, so Andreas Brzezinski. „Denn obwohl die Kapazitätsgrenzen bei vielen Betrieben erreicht sind, konnte sich die Beschäftigtenzahl in den Unternehmen im dritten Quartal nur leicht erhöhen. Den Betrieben fehlen die Fachkräfte.“

Steigende Lehrlingszahlen

Um dem entgegenzutreten, setzen die ostsächsischen Handwerker insbesondere im ländlichen Raum auf die Ausbildung. „Fakt ist: Trotz sinkender Betriebszahlen in den vergangenen fünf Jahren, haben wir im selben Zeitraum stetig steigende Lehrlingszahlen. Waren es vor fünf Jahren noch knapp 3.250 Lehrlinge im Handwerk in den vier Landkreisen Meißen, Bautzen, Görlitz und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge lag ihre Zahl zum Jahresende 2017 bei rund 3.800 – ein Anstieg um 17 Prozent“, hebt Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden, hervor.

Doch den rund 17.000 Handwerksbetrieben im ländlichen Raum drückt der Schuh. „Den Unternehmen machen der demografische Wandel, infrastrukturelle Defizite, Nachwuchs- und Nachfolgeprobleme sowie die steigende Bürokratie zu schaffen“, erläutert Jörg Dittrich und verweist insbesondere auch auf die Lausitz, für die der Kohleausstieg eine erneute Zäsur bedeutet. „Der ländliche Raum wurde ganz klar zu lange vernachlässigt. Das bekommen auch die Handwerksbetriebe zu spüren“, so das Fazit des Präsidenten der Handwerkskammer. „Es ist daher dringend an der Zeit, dass sich etwas ändert.“

Vier Forderungen zur Stärkung des ländlichen Raumes

  • der demografischen Entwicklung im ländlichen Raum entgegenzutreten und ein lebenswertes Umfeld für junge Menschen und Familien zu garantieren. Dies gelingt u. a. durch die Förderung der Innenstädte, damit die Ansiedlung auch für Handwerksbetriebe attraktiv ist.
  • Des weiteren sollten Förderprogramme wie Leader oder die Förderung zur Existenzgründung von Frauen im ländlichen Raum beibehalten und nach Möglichkeit aufgestockt werden, um den Gang in die Selbstständigkeit attraktiver zu gestalten und Unternehmensgründungen und -nachfolgen zu fördern. Die Handwerkskammer Dresden drängt auf die Wiedereinführung des Programms Regionales Wachstum, mit dem von 2006 bis 2009 erfolgreich Investitionen in strukturschwachen Räumen gefördert wurden.
  • Existenziell für das Handwerk im ländlichen Raum ist die Infrastruktur vor Ort. So sollten vorhandene ÖPNV-Strukturen aufrechterhalten bzw. ausgebaut werden, darauf aufbauend ein sachsenweites Azubi-Ticket eingeführt und flächendeckend der Breitbandausbau forciert werden.
  • Insbesondere im grenznahen Raum muss das Thema Sicherheit im Fokus stehen. Die entsprechende Infrastruktur sollte weiter verbessert werden, u. a. durch eine höhere Polizeipräsenz vor Ort. Betrieben entstehen durch Diebstähle und Einbrüche Schäden und hohe Kosten.
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