Drohnen suchen über Dresden nach Frischluft

Dresdens idyllische Stadtsilhouette im Nebel. Forscher wollen ab 2020 mit Drohnen die Luftqualität messen. (Foto: Archiv/ Robert Michael)

Ein Forschungsprojekt misst den Weg von Schadstoffen über der Stadt Dresden und zeigt erstmals, wohin der Feinstaub zieht.

Die Schadstoff-Schnüffler in Sachsen bekommen Verstärkung. Noch stehen die Messstationen am Boden, an Straßen und in Wohngebieten. Sie messen an 29 Stellen im Freistaat, was dort mit der Luft vorbeizieht. Wohin sich aber die Wolke aus Stickoxiden Ultra-Feinstaub, aus Ruß und Ozon verzieht, das ist mehr Annahme als Kenntnis. Jetzt aber wird in Dresden erstmals auf neue Art gemessen. Wissenschaftler wollen die
Luftmassen um die Messstationen herum untersuchen. Dresden ist dabei bundesweit die Modellstadt. Drohnen werden dazu am Dresdner Himmel nach Frischluft suchen. Sie sollen die Schadstoffe aufspüren und das bis in 1 000 Meter Höhe. Ab 2020 beginnen
die Flüge, berichtet Birgit Wehner. Im Leipziger Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (Tropos) arbeitet sie an neuartigen Partikelmessungen in der Luft. Im Projekt „Messbar“ stattet Tropos die Drohnen mit Technik aus. „Wir wollen ein einfaches Tool entwickeln, ein einfaches Gerät bauen, mit dem man schnell mal umfangreich die Luftqualität messen kann – und zwar nicht nur am Boden“, sagt Wehner. Die TU Braunschweig koordiniert das Großprojekt, bei dem auch eine Firma der Luftfahrttechnik dabei ist. Sie soll die Drohnen später für Ämter, Kommunen, Kraftwerke und Chemiebetriebe produzieren. Doch erst einmal werden dort die drei Spezial-Drohnen entwickelt und gebaut, die in Dresden fliegen. Dresden ist als städtisches Versuchsgebiet ausgewählt worden. „Wir bekommen damit ein dreidimensionales Bild von der Verteilung der Luftschadstoffe um einen Messpunkt herum“, sagt Wehner. Erstmals ergebe das 3-D-Daten zum Zustand der Luft über einen
ganzen Jahresgang hinweg. Die Wissenschaft sieht damit großräumig, was wann
und wie stark an Schadstoffen vor allem wohin zieht. Wie sich diese Stoffe verteilen – oder eben auch anreichern. Für das Landesumweltamt (LfULG) ist das die Chance, seine Rechenmodelle für die städtische Frischluft zu überprüfen. Zumindest an den beiden Stellen, die ein Jahr umflogen werden, sagt Gunter Löschau, im LfULG für Luftgütemessungen und Feinstaub jeder Art zuständig. Zwei Bodenmessstationen hat er ausgewählt. Eine im ruhigeren Gebiet an der Winkelmannstraße, die andere an der Hauptverkehrsader am Neustädter Bahnhof. „Wir werden am Ende ein Abbild der Schadstoffausbreitung bekommen.“ Das Projekt hat gerade begonnen und geht drei Jahre. Danach, so spekuliert Löschau, könne er sich durchaus vorstellen, öfter mit solchen Luftmess-Drohnen zu arbeiten. (STEFAN SCHÖN)

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