Dresden will Anzahl der Kleingärten dauerhaft halten

Kleingartenkolonie in Dresden mit Datschen und vielen Grünflächen. // Foto: Matthias Hiekel/Archiv

Neue Kleingärten an der Reicker Straße in Strehlen: Als Ersatzflächen für den Wissenschaftsstandort Dresden-Ost übergaben der Leiter des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft Detlef Thiel und der Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung Dr. Robert Franke heute, Freitag, 17. Juli, die ersten 23 von rund 130 neuen Parzellen an den Stadtverband der Dresdner Gartenfreunde und den Kleingartenverein „Reichsbahn Dresden-Süd“.

Dr. Robert Franke: „Die Umsiedlung ist notwendig, damit wir Unternehmen und Investoren attraktive, zusammenhängende Flächen anbieten können. Mit dem Wissenschaftsstandort Dresden-Ost entsteht ein ganzer Stadtteil, zentral und forschungsnah gelegen. Der geplante Kleingartenpark bietet Grünflächen zur Erholung. Wir sind sehr froh, dass wir hier die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Interessen verbinden konnten.“

 „Auf einer Gesamtfläche von über 7.000 Quadratmetern stehen neben Gemeinschaftsflächen 23 Parzellen für die kleingärtnerische Nutzung zur Verfügung. Die neuen Gärten werden in die bestehende Anlage ‚Reichsbahn Dresden-Süd‘ integriert und haben bereits Pächter“, so Detlef Thiel. Die Stadt Dresden hat die neuen Kleingartenflächen komplett erschlossen. Von der Vogelsteinstraße wurde ein neuer Zugang gebaut, der auch zu den bestehenden Gärten führt. Eine Wegeverbindung in benachbarte Kleingartenanlagen ist geplant. 17 PKW-Stellplätze stehen den Gartenfreunden zusätzlich zur Verfügung. Jede Parzelle verfügt über einen Strom- und Wasseranschluss. Damit die Kleingärtner ihre Abwässer fachgerecht entsorgen können, errichtet der Kleingartenverein „Reichsbahn Dresden-Süd eine Abkippstation.

Eine Besonderheit sind umfangreiche Maßnahmen zum Ausgleich von Eingriffen in die Natur. So bekommen die im Gebiet vorkommenden Zauneidechsen mit Sandsteinen gefüllte Gabionenmauern als Aufenthaltsbereiche und sandige Eiablageplätze. Verbindungsflächen führen zum benachbarten Bahndamm, wo besonders viele Zauneidechsen leben. Wildstauden und Wildkräuter wurden gepflanzt. Sie sollen sich auf dem Gelände ausbreiten und sind für die Tiere ein attraktives Nahrungsangebot. Das Umweltamt hat für dieses besondere Biotop Pflegehinweise erarbeitet, um die Kleingärtner bei den Pflegearbeiten zu unterstützen. Große Teile des Biotopes sind als Gemeinschaftsfläche erleb- und nutzbar. Die Herstellung der neuen Kleingartenflächen kostet rund 450.000 Euro und wird vom Amt für Wirtschaftsförderung finanziert. Mit der Planung und Bauleitung war das Büro Urban-Landschaftsdesign aus Dohna beauftragt. Gebaut hat die Strabag AG. Für 2021 ist an der Reicker Straße der Bau weiterer etwa 110 Parzellen geplant.

Hintergrundinformation: Fortschreibung des Kleingartenentwicklungskonzeptes

„Der Dresdner Stadtrat hat am 4. Juni 2020 die zweite Fortschreibung des Kleingartenentwicklungskonzeptes bestätigt. Dresden hat damit auch für die nächsten 15 Jahre eine verbindliche Handlungsgrundlage und ein Planungsinstrument. Es dient dem Erhalt, der bedarfsgerechten und nachhaltigen Entwicklung und der qualitativen Aufwertung der Kleingärten als unverzichtbares Element des städtischen Grünsystems. Mit den Kleingartenersatzflächen in Reick und den Hochwasserschutzmaßnahmen im Bereich des Altelbarms werden schon Bestandteile aus dem Konzept umgesetzt“, so Detlef Thiel, Leiter des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft.

Anlass für die aktuelle Überarbeitung sind zum Teil deutlich veränderte Rahmenbedingungen gegenüber 2004. Die wichtigsten sind die Altersstruktur der Bevölkerung, das Freizeitverhalten und das Baugeschehen in Dresden. Auch das Hochwasserereignis von 2013 erforderte eine vertiefte Betrachtung der Flächennutzung besonders im Altelbarm Leuben.

Erster Schritt für die Fortschreibung des Konzeptes war die Aktualisierung der Grundlagendaten und planerischen Aussagen zum Kleingartenbestand und die Neubewertung bestehender Konflikte. Im Ergebnis gibt es Maßnahmen und Empfehlungen zu deren Lösung. In die Prognoseberechnungen flossen erstmals neueste und nach Altersgruppen differenzierte Daten zur Bevölkerungsentwicklung Dresdens bis 2030 ein. Auch wurden Ergebnisse aus dem Konzept zum „Umgang mit Kleingartenanlagen im Abflussbereich der Elbe“ der Stadt Dresden von 2015 berücksichtigt. Eingang in die Betrachtung fanden erstmals urbane Garteninitiativen, eine junge Form des Gärtnerns in der Stadt.

Der prognostizierte Flächenbedarf bis 2030 stützt sich auf vielfältige Einflussgrößen. Der bisherige Grundsatz, dass die Zahl der vorhandenen Kleingärten auch künftig in Dresden zur Verfügung stehen soll, wurde bestätigt und begründet. Für den Bestandserhalt der Kleingartenflächen ist die Darstellung, Analyse und Bewertung von potenziellen Kleingartenersatzflächen ein weiterer, wesentlicher Bestandteil des Konzeptes. Zum ersten Mal wurden Prämissen für ein Verlagerungsmanagement formuliert.

In Dresden gibt es seit 1996 ein vom Stadtrat beschlossenes Kleingartenentwicklungskonzept, das 2004 erstmalig fortgeschrieben wurde. Die zweite Fortschreibung entstand in Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro May Landschaftsarchitekten, dem Stadtverband „Dresdner Gartenfreunde“ e. V. und städtischen Ämtern.

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