Fällt der Striezelmarkt aus?

Ob der Striezelmarkt unter Berücksichtigung der aktuellen Corona-Verordnung stattfinden kann ist bislang unklar. (Foto: Sebastian Kahnert/Archiv)

Was ein Aus für Gastronomen, Hoteliers und die Dresdner Innenstadt bedeuten würde.

Nürnberg hat sich am Montag entschieden: Der Christkindlesmarkt fällt aus. Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) geht einen anderen Weg. Er will am Striezelmarkt festhalten, hat für die Absicherung der Hygienemaßnahmen 600.000 Euro bereitstellen lassen. Der beliebte Markt soll auf einem weit auseinandergezogenen Areal stattfinden, auf dem die Gastronomiebereiche abgegrenzt sind.

Für Hotelchef Thomas Gaier ist das der richtige Weg. „Es gibt ein Hygienekonzept, die Menschen können sich auf dem Striezelmarkt unter freiem Himmel sicher fühlen“, sagt Gaier, der das Hotel Schloss Eckberg führt und Vorsitzender der Dresdner Hotel Allianz ist. „Ich wünsche mir, dass der Markt stattfindet. Denn dann hätte Dresden auch ein Alleinstellungsmerkmal, nachdem Nürnberg abgesagt hat.“

Hotels leiden unter Unsicherheit

Bisher sind in Dresdner Hotels die Zimmer nicht gefüllt. Statt 40 bis 60 Prozent Auslastung, die in den vergangene Jahren im November erzielt wurden, liege sie derzeit bei rund 20 Prozent. „Und das Schlimmste: Wir haben kaum Buchungen für die Adventszeit“, sagt Gaier.

Dabei ist das eine der besten Zeiten für die Dresdner Hotellerie, in denen zuletzt überdurchschnittliche Preise erzielt wurden. „Der Striezelmarkt hat in Dresden die Bedeutung wie das Oktoberfest in München, ein Ausfall würde uns essentiell treffen“, sagt Gaier und zählt weitere Berufe und Bereiche auf, die unter ausbleibenden Gäste leiden würden. Darunter Taxifahrer, Stadtführer, Museen und Veranstalter.

Gastronomie hat viele Absagen

Ähnlich dramatisch schätzt Gastronom Olaf Kranz die Situation ein. „Der Striezelmarkt ist ein Riesenbaustein für unsere Branche. Fällt der weg, brechen uns enorme Umsätze weg, denn viele Besucher kehren vor oder nach dem Besuch des Weihnachtsmarktes in Gaststätten ein“, sagt der Geschäftsführer der Palastecke und des Schmidt’s in Hellerau. Dabei hätte Dresden angesichts der abgesagten Weihnachtsmärkte in Chemnitz oder Nürnberg gerade jetzt die Chance, mehr Tagestouristen in die Stadt zu bekommen. Diese würde alle Restaurants dringend brauchen.

„Wir erleben gerade eine Stornierungswelle von Feiern mit zehn bis 15 Personen, die typischen Büroweihnachtsfeiern, wir brauchen den Striezelmarkt“, sagt Kranz. „Wenn nur rote Zahlen stehen, geht das nicht. Dann muss der Laden zubleiben“, sagt Kranz und glaubt, dass die Gastronomie bestraft werde. „Wir haben ein Hygienekonzept, geschulte Mitarbeiter und betreiben großen Aufwand. Das ist kontrollierbar. Und trotzdem werden wir weiter reglementiert“, sagt er.

Weniger Einkäufe bei Händlern

In einem normalen Jahr werden mit dem Striezelmarkt 48 Millionen Euro Umsatz erzielt, so eine Studie der IHK Dresden. Einige Branchen, wie Erzgebirgische Volkskunst, sind auf Märkte dieser Art mit dem winterlichen Flair angewiesen, um ihre Produkte verkaufen zu können. „Viele von denen haben Existenzangst, wenn die Weihnachtsmärkte ausfallen“, sagt Holger Zastrow, der den Augustusmarkt auf der Hauptstraße betreibt.

Ähnliche Rückmeldungen von Händlern hat auch Frank Schröder erhalten, er veranstaltet den Markt auf der Prager Straße. „Das sind oft ganz kleine Betriebe, die ausschließlich für das Weihnachtsgeschäft produzieren. Das funktioniert eben nicht über das Internet, sondern solche Dinge kauft man in der passenden Stimmung auf dem Markt“, sagt Schröder. Oberbürgermeister Dirk Hilbert sprach auf einer Pressekonferenz kürzlich sogar von zigtausenden Existenzen, die von einem Ausfall der Weihnachtsmärkte der Region betroffen wären.

Ist die Weihnachtszeit ohnehin schon die umsatzstärkste Zeit für den Einzelhandel, haben auch die Innenstadthändler in den vergangenen Jahren zusätzlich von den Striezelmarkt-Gästen profitiert. Genaue Zahlen kann Citymanagerin Friederike Wachtel nicht nennen, weil die Umsätze auch sehr branchenabhängig waren. „Aber die Angst bei allen Händlern ist groß, dass der Striezelmarkt nicht kommt und mit ihm Kunden ausbleiben“, sagt sie. Auch zwei verkaufsoffene Sonntage im Dezember hängen daran.

SZ/DAWO

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