Gedenken an die Reichspogromnacht

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert bei der Kranzniederlegung anlässlich des 82. Jahrestages der Reichspogromnacht an der Gedenkstele am Hasenberg. // Foto: Stadt Dresden/Jürgen Männel

In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 brannten jüdische Synagogen in ganz Deutschland. Auch in Dresden war die Synagoge am Hasenberg angezündet worden, viele jüdische Geschäfte wurden gebrandschatzt und geplündert, Menschen verhaftet.

Anlässlich des 82. Jahrestages der Reichspogromnacht trafen sich am 9. November Landtagspräsident Matthias Rößler, ein Vertreter der Sächsischen Staatsregierung, Oberbürgermeister Dirk Hilbert und Vertreter der Jüdischen Gemeinde Dresden an der Stele am Hasenberg zur stillen Kranzniederlegung. Pandemiebedingt gab es ausnahmsweise keine öffentliche Gedenkveranstaltung.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert: „Erinnern an diesem Tag bedeutet, den Kern unserer Gesellschaft, die Menschenwürde, auf die Vergangenheit zu übertragen. Eine Vergangenheit, in der die Würde unzähliger Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt nicht nur angetastet, sondern im wahrsten Sinne des Wortes vernichtet wurde. Man wollte ihnen nicht nur das Leben nehmen. Man sollte sich auch nie wieder an sie erinnern. Wir können diese Vergangenheit nicht ändern, aber wir können sie uns in Erinnerung rufen und so die damit verbundenen Schicksale dem Vergessen entreißen. Wir haben im Gegensatz zu denen, derer wir heute gedenken, das unglaubliche Glück, in einer freiheitlich-demokratisch verfassten Gesellschaft zu leben.“

Aus aktuellem Anlass ergänzt der Oberbürgermeister: „Unsere Gesellschaft hat mit dem Grundgesetz ein stabiles Fundament. Es ist für mich und für alle, die an diesem Tag der Opfer des Nationalsozialismus gedenken, nur schwer erträglich, wenn rechtsradikale Parolen und Hetze auf Demonstrationen an diesem Tag verbreitet werden. Aber weder das Grundgesetz noch das sächsische Versammlungsgesetz bieten eine Grundlage, das Recht auf Versammlungsfreiheit an diesem in der deutschen Geschichte so schicksalhaften Tag einzuschränken. Insofern muss es unsere Aufgabe sein, jeder Form von Rassismus und Antisemitismus in der Gesellschaft inhaltlich und mit großem persönlichen Engagement entgegenzutreten.“  

Michael Hurshell, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Dresden: „Wie die Ereignisse in Halle, in Hamburg und erst vor wenigen Tagen in Wien zeigen, leben wir in einer Zeit ansteigender Spannungen. Die in Deutschland lebenden Juden vertrauen und zählen auf die Solidarität, Empathie und auf das Engagement unserer nichtjüdischen Mitbürger, sowie auf den Schutz der regierenden Institutionen.  Die sichtbare Zunahme rechter Strömungen in der Gesellschaft, sowie die zurzeit vor allem in den sozialen Medien grassierenden antisemitischen Verschwörungstheorien zum Corona-Virus, bereiten uns Sorgen.  Wenn wir heute an die furchtbare Nacht des 9. November 1938 gedenken, in der in ganz Deutschland die Synagogen brannten, und uns bewusst werden wie das erneut erblühende jüdische Leben in Deutschland vielen von uns immer noch wie ein Wunder erscheint, so sind wir einerseits dankbar für die Unterstützung der Gesellschaft, die ein neues Kapitel jüdischen Lebens in Deutschland ermöglicht. Doch anhaltender Hass gegen jegliche Minderheit darf von der Gesellschaft niemals toleriert werden.“

Am Hasenberg erinnert eine Stele an den Standort der von Gottfried Semper gebauten Dresdner Synagoge. Sie wurde 1840 eingeweiht und in der Reichspogromnacht 1938 zerstört.

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