Schonmal 100 Kilogramm zu viel …

Extra breite Sessel gehören zur Ausstattung des Zimmers, in dem die übergewichtigen Patienten durch das Team um Chefarzt Dr. Matthias Becker(li.) betreut. // Foto: Jens Fritzsche

Eine Spezialabteilung hilft bei Übergewicht. Und zwar lebenslang.

Wenn seine Patienten nach der OP auf der Waage stehen, sind sie noch genauso schwer, wie vor dem Eingriff. Und zwar viel zu schwer. „Aber schon Tage später werden die ersten Kilo weg sein“, sagt Dr. Matthias Becker.

Er leitet als Chefarzt der Allgemein- und Vizeralchirurgie auch die spezielle Abteilung Adipositaschirurgie an den Helios Weißeritztal-Kliniken Freital und absolviert gemeinsam mit seinem Spezialisten-Team hier jedes Jahr um die 100 solcher Operationen: Magenverkleinerungen und Bypass-Operationen am Dünndarm, die anschließend zu enormen – aber für die Patienten wichtigen – Gewichtsverlusten führen. „In manchen Fällen sind es bis zu 100 Kilo zu viel, die Patienten mit sich herumtragen“,

Bis zu 60 Prozent Übergewicht reduziert

Im Laufe von bis zu zwei Jahren nach dem Eingriff werden dann bis zu 60 Prozent des Übergewichts reduziert. Wobei tatsächlich nur das Übergewicht abgebaut wird, nicht das Normalgewicht, unterstreicht er. Und das funktioniert so: Der sogenannte Schlauchmagen, also die durchaus drastische Magenverkleinerung, sorgt dafür, dass der Magen statt wie normal für zwei bis 2,5 Liter Nahrung nur noch Platz für gut 120 Milliliter bietet. Das ist etwa eine viertel Schnitte, beschreibt Dr. Becker. „Die Patienten sind dennoch satt – und auch Mangelerscheinungen gibt es nicht!“ Denn der Körper kann trotzdem alle wichtigen Stoffe–wie Mineralien – aus der Nahrung aufnehmen. Und zwar in ausreichender Menge.

Bei einigen Patienten gehen die Chirurgen aber dennoch einen zusätzlichen Schritt: Sie setzen einen sogenannten Magen-Bypass. Dabei werden rund 1,80 Meter des Dünndarms sozusagen als Umleitung um den Magen genutzt, „und von der Verdauung quasi ausgeschlossen“, beschreibt der Chefarzt. Damit ist der Weg der Nahrung durch den Körper kürzer, der so weniger Zeit hat, sich mit – dick machenden – Nährstoffen zu versorgen.

„Dass die Patienten lebenslag begleitet werden, gehört zu unserer Therapie, wir stellen die Nachsorge für alle durch regelmäßige Termine hier vor Ort sicher“, unterstreicht der Freitaler Chefarzt.

Kein JoJo-Effekt mehr

Mit ihrem Adipositas-Therapiekonzept und ihrem Angebot sind die Freitaler im Übrigen eines der wenigen sächsischen Häuser, das diese Spezialisierung vorweisen kann. „Besonders was unser Nachsorgeangebot betrifft“, klingt der Freitaler Chefarzt durchaus ein Stück stolz. Neben den Freitalern bieten im Freistaat aktuell nur noch die Krankenhäuser Dresden-Neustadt und Zwickau sowie die Unikliniken Leipzig und Chemnitz diese chirurgische Therapie an.

Eine Therapie, für die an den Weißeritztal-Kliniken ein umfangreiches interdisziplinäres Team zusammengestellt wurde. Die übergroße Mehrzahl der Patienten ist begeistert vom spürbaren Gewinn an Lebensfreude.

JENS FRITZSCHE

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