Stadtverwaltung will historische Gräber auf Friedhöfen erhalten

Die Feierhalle auf dem St. Pauli Friedhof. Foto: Heike Richter
Die Feierhalle auf dem St. Pauli Friedhof. // Foto: Heike Richter

Die Stadt Dresden soll eine Fachkommission einrichten, die den Überblick über die Gräber historischer Persönlichkeiten aktualisiert.

Die Landeshauptstadt Dresden hat dem Stadtrat vorgeschlagen, den Erhalt historischer Grabstätten künftig stärker zu fördern und eine Fachkommission einzurichten, die den Überblick über die Gräber historischer Persönlichkeiten aktualisiert. Der Stadtrat hatte mit Beschluss des Haushaltes 2021/2022 zusätzliche Mittel zum Erhalt der Dresdner Friedhöfe bereitgestellt, die dafür verwendet werden sollen.

Die für Friedhöfe zuständige Bürgermeisterin Eva Jähnigen erläutert: „Für die Landeshauptstadt Dresden sind die historisch bedeutenden Gräber ein Archiv der Stadtgeschichte. Es sind Erinnerungen an Personen, die die Stadt geprägt haben. Die Grabsteine stehen als abschließendes Symbol des weltlichen Daseins und helfen, Ideenreichtum, Mut, Schöpferkraft und Lebensläufe dieser Persönlichkeiten lebendig zu halten. Die Landeshauptstadt Dresden möchte helfen, diese Gräber zu erhalten. Für die Pflege und Erhaltung benötigen die Friedhöfe erheblich mehr finanzielle Unterstützung. Die seit den 1990er Jahren gezahlte Pflegepauschale reicht bei weitem nicht mehr aus.“

Mehr als 200 prominente Grabstätten

Dresden ist eine Stadt mit einer reichen und vielfältigen Geschichte, geprägt von Wissenschaftlern, Künstlern, Architekten, Bildhauern, Unternehmern, Politikern und anderen Menschen, die sich zu verschiedenen Zeiten in der Stadt engagiert haben. Dieser Geschichte begegnet man auf fast jedem der 58 Dresdner Fried- und Kirchhöfe: Hier ruhen historische Persönlichkeiten aller Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Viele von ihnen hatten lokale Bedeutung. Oftmals erzählen die Inschriften auf ihren Grabsteinen zudem Interessantes zur Ortsgeschichte.

Andere sind landesweit bekannt und einige haben es zu Weltruhm gebracht. Auf Dresdner Friedhöfen erhalten gegenwärtig 236 Grabstätten von historischen Persönlichkeiten eine Förderung. 104 Gräber werden durch Privatpersonen, Stiftungen oder andere Engagierte gepflegt. Für 132 Gräber erhalten die Friedhofsträger anteilig finanzielle Unterstützung von der Landeshauptstadt Dresden. In den letzten Jahren signalisierten die Friedhofsträger vermehrt, dass sie aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten die Pflege und Instandhaltung dieser Gräber nicht mehr wahrnehmen können.

Mehr Geld für Pflege historischer Gräber nötig

Für die Pflege und Erhaltung dieser Gräber wurden bisher pro Grab durchschnittlich 150 Euro jährlich aus dem städtischen Haushalt bereitgestellt – insgesamt etwa 20.000 Euro pro Jahr. Benötigt werden mehr als 90.000 Euro, denn die tatsächlichen Kosten einer Grabgrundpflege ohne Saisonbepflanzung können mit diesem Betrag bereits seit einigen Jahren nicht mehr gedeckt werden. Allein für eine pflegeleichte Dauerbegrünung liegen die Durchschnittskosten jetzt bei rund 80 Euro brutto pro Quadratmeter und Jahr. Die Stadtverwaltung schlägt vor, jedes historische Grab mit bis zu 400 Euro pro Jahr zu fördern.

Liste geförderter Gräber soll aktualisiert werden

Eine Kommission soll zudem prüfen, welche historischen Gräber künftig gefördert werden. „Die letzte Aktualisierung der Übersicht über die historischen Gräber erfolgte 1987. Die pauschale Bestätigung durch Stadtverordnetenbeschluss ist aus dem Jahr 1992. Inzwischen haben die Friedhofsträger viele weitere Gräber vorgeschlagen, die erhaltenswert sein könnten. Generell ist bei einer Benennung, Fortschreibung oder Neukonzeptionierung der Liste historischer Grabstätten zu beachten, dass sich die Einschätzung zu einer Person im Laufe der Zeit und im Licht neuerer Erkenntnisse ändern kann. Zu berücksichtigen ist, dass jeder Mensch und sein Handeln auch im zeithistorischen Kontext stehen. Die Fachkommission soll bewerten, welche Gräber tatsächlich weiterhin eine geförderte Pflege erhalten. Die Arbeitsergebnisse der Fachkommission werden dann Grundlage für die Fortschreibung der Liste der historischen Gräber sein, über die erneut der Stadtrat entscheiden wird“, beschreibt Jähnigen das weitere Vorgehen.

Zu den bekanntesten in Dresden beigesetzten Persönlichkeiten gehören unter anderem der Bildhauer Balthasar Permoser, der Komponist Carl Maria von Weber (jeweils auf dem Alten Katholischen Friedhof), die Künstlerin Gertrud Caspari auf dem Neuen Friedhof Klotzsche, die Politikerin Elsa Fenske auf dem Heidefriedhof, Maler wie Adrian Ludwig Richter auf dem Neuen Katholischen Friedhof und Caspar David Friedrich auf dem Trinitatisfriedhof, die Wissenschaftler Heinrich Barkhausen auf dem Urnenhain Tolkewitz und Manfred von Ardenne auf dem Waldfriedhof Bad Weißer Hirsch.

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