Wie wichtig ist Schwimmunterricht für Kinder?

Sebastian Halgasch in der Schwimmhalle Freiberger Straße // Foto: Sven Ellger

Wie wichtig die frühzeitige Wassergewöhnunng ist, erklärt Sebastian Halgasch, früherer Vizewelt- und Europameister im Rückenschwimmen und heute Leiter des Schulschwimmzentrums Dresden-Klotzsche und heute Leiter des Schulschwimmzentrums Dresden-Klotzsche.

Kinder sollen Respekt, aber keine Scheu vor dem Wasser haben. Wie kann man sie frühzeitig ans nasse Element gewöhnen? In Babybadewanne oder Waschbecken sollten Kinder schon in den ersten Lebensmonaten Kontakt mit dem Wasser haben. Auch Babyschwimmen kann ein Glied in der Kette der Wassergewöhnung sein, doch wenn die Eltern daran nicht anknüpfen, wird der Effekt nicht ewig anhalten. Später können sie die Kinder spielerisch motivieren, die Dusche über den Kopf zu halten oder sogar mit dem Gesicht ins Wasser zu tauchen und dabei die Augen zu öffnen – damit wird eine wichtige Grundlage fürs Schwimmenlernen gelegt. Förderlich sind zudem regelmäßige Besuche im Frei- oder Hallenbad. Dort kann man schon üben, die Füße vom Boden zu lösen und auf dem Wasser zu gleiten.

In welchem Alter sind Kinder in der Lage, Schwimmbewegungen gezielt zu erlernen?

Manche Kinder haben schon mit vier Jahren die notwendigen koordinativen Fähigkeiten, die meisten mit fünf – und kurz vor dem Schuleintritt sollte fast jedes Kind schwimmen lernen können. Viele absolvieren im letzten Kita-Jahr ihren ersten Schwimmkurs. In Sachsen ist das Schwimmen glücklicherweise auch noch im Lehrplan für die 2. Klasse verankert. Aber leider gibt es zu wenig Wasserflächen und Kurse, und durch das Corona-Jahr ist zudem noch ein riesiger Nachholbedarf entstanden. Wie der zumindest teilweise aufgeholt werden kann, wird gerade diskutiert. Und wir sind optimistisch, dass die Hallen demnächst wieder öffnen dürfen.

Auf welche Voraussetzungen treffen Sie und Ihre Kollegen bei den Schwimmschülern?

Es gibt erschreckend viele Familien, in denen das Schwimmen überhaupt keine Rolle spielt. Etwa die Hälfte der Kinder traut sich zu Kursbeginn nicht mit dem Gesicht ins Wasser – entsprechend viel Zeit brauchen wir für die Gewöhnung. Aber die nehmen wir uns auch, denn wer Angst hat, wird nie richtig schwimmen lernen. Und die Kinder dürfen ja auch nicht panisch werden, wenn ihnen später am Meer mal eine Welle über den Kopf schwappt.

Wie umfangreich ist ein Schwimmkurs im Durchschnitt?

Die von der Stadt Dresden angebotenen wöchentlichen Kita-Kurse umfassen in der Regel 17 bis 18, die Schulkurse 35 bis 36 Stunden. Ich habe aber auch schon Crash-Kurse gegeben, in denen Kinder innerhalb von zwei Wochen schwimmen gelernt haben – dann hatten sie aber täglich Unterricht.

Was genau wird in einem Schwimmkurs vermittelt?

Die Methodik unterscheidet sich von Lehrer zu Lehrer ein wenig, aber am Anfang stehen immer die Wassergewöhnung und die Entwicklung solcher Grundfertigkeiten wie Orientieren, Schweben, Rollen, Drehen oder Springen. In älteren Hallen wie in Klotzsche will auch das Herausklettern gelernt sein. Je nachdem, was die Eltern mit den Kindern bereits geübt haben, veranschlage ich für diese Grundlagen bis zu zehn Stunden. Die Schwimmbewegungen werden zunächst auf dem Trockenen gezeigt und einstudiert, denn bei größeren Gruppen dürfen die Schwimmlehrer nicht mit ins Wasser. Am Ende des Kurses sollten die Kinder wenigstens 25 Meter schaffen, was dem „Seepferdchen“ entspricht. Als Schwimmer gilt aber man aber erst ab 100, als sicherer Schwimmer ab 200 Meter.

Können Eltern ihren Kindern das Schwimmen selbst beibringen?

Prinzipiell kann das jeder, der selbst einigermaßen sicher und sauber schwimmt. Beim „Laien-Unterricht“ können sich natürlich Fehler in den Bewegungsablauf einschleichen, die später nur schwer zu korrigieren sind. Und viele unterschätzen auch den Aufwand an Zeit und Geduld. Aber das Allerwichtigste ist doch, dass sich ein Kind über Wasser halten kann und im Ernstfall nicht in Lebensgefahr gerät.

Wie und wo haben Sie das Schwimmen gelernt?

Die Familie erzählt, dass ich es schon mit vier Jahren an der Ostsee gelernt haben soll. Allerdings hatte ich sehr günstige Voraussetzungen, denn mein Vater war Schwimmtrainer. Wer nicht so früh dran ist, sollte den Mut keinesfalls verlieren: Talent entwickelt sich, und es gibt auch Leistungssportler, die ihren ersten Schwimmkurs nicht bestanden haben.

GESPRÄCH: BIRGIT HILBIG

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