Textilien ohne Schadstoffe – so erkennt man sie

Bildquelle: Hasan Oguz Alluntas / pixabay

Fast ununterbrochen umhüllen wir unsere Haut mit ihnen. Täglich tragen wir Kleidung und legen uns zum Schlafen in Bettwäsche. Was passiert, wenn diese Textilien Schadstoffe absondern? Hautreizungen sowie ernsthafte Gesundheitsrisiken sind möglich. Deshalb macht es mit Blick auf die Gesundheit der gesamten Familie auch Sinn, beim Neukauf auf eventuell enthaltene Schadstoffe in den Textilien zu achten. Leider ist es nicht ganz so einfach, dies beim Einkauf überhaupt auch zu erkennen. Doch es gibt einige Merkmale, auf die man achten kann.   

Textilsiegel helfen bei der Orientierung

Eine sehr eindeutige Hilfe sind Textilsiegel. Sie werden entweder zusammen mit dem Hersteller-Etikett eingenäht oder sie stehen als Aufdruck auf der Verpackung. Für Verwirrung sorgt allerdings, dass es eine ganze Liste solcher Siegel gibt, ähnlich wie in der Lebensmittelbranche, wo man inzwischen mit einer Unmenge an Bio-Siegeln zu kämpfen hat. Die einfachste Orientierung bietet deshalb das klassische Verbrauchersiegel OEKO-TEX Standard 100. Vor dessen Vergabe werden die Textilien einer Schadstoffprüfung unterzogen. Wie und wo die Textilien hergestellt werden, spielt dabei keine Rolle. Sind Kleidungsstücke oder Bettwäsche mit diesem Siegel zertifiziert, wurden sie garantiert auf Schadstoffe getestet und als unbedenklich eingestuft. Außerdem gibt es mehrere Herstellersiegel. Sie legen Richtlinien für Produktion und Verarbeitung fest. Verwenden Unternehmen diese Siegel, sagt das aus: Der Hersteller hat die Produktionskette so aufgebaut hat, dass die Standards für das jeweilige Siegel erfüllt werden. Dazu gehören IVN Best Naturtextil, OEKO-TEX Made in Green, GOTS (Global Organic Textile Standard) und Bluesign. Alle Textilien mit diesen Siegeln sind gesundheitlich unbedenklich und lösen weder Hautreizungen noch Allergien aus.

Woher kommen überhaupt diese chemischen Rückstände in unseren Textilien?

Das Wichtigste vorab: Viele Textilien sind gesundheitlich unbedenklich. Qualitätsbewusste Hersteller von hochwertiger Bettwäsche oder Bekleidung achten auf Schadstofffreiheit. Allgemein jedoch gelangen chemische Rückstände über die Faser-Herstellung, Verarbeitung oder Veredelung in die Textilien. Bei der Herstellung von Textilfasern betrifft das beispielsweise den Anbau  von Baumwolle. Bevor die Samenkapseln mit ihren flauschigen Fasern geerntet werden, kommen häufig Pestizide zum Einsatz. Deren Rückstände können in geringen Mengen im Baumwollgewebe landen. Größere Schadstoffmengen gelangen durch Verarbeitung und Veredelung in die Textilien. Fasern, Garn oder Gewebe werden gebleicht, gewaschen, gefärbt, mit Weichmachern und Appreturen ausgestattet. Salze, Chlorbleiche, synthetische Weichmacher wie die Phthalate und unzähligen andere Chemikalien können zum Einsatz kommen. Derartige Schadstoffbelastungen gehen allerdings zurück, wenn auf aggressive Chemikalien verzichtet wird oder hohe Umweltstandards eingehalten werden. Es gilt, genau diese Textilien ausfindig zu machen.  

Geruch, Preis, Herkunft und Hersteller

Aber nicht alle Textilien haben ein Siegel. Was dann? Die einfachste Orientierung ist der Geruch. Wenn Textilprodukte stark und unangenehm nach Chemie riechen, sollte man die Finger von ihnen lassen.  Auch ein sehr billiger Preis spricht eher für das Risiko chemischer Rückstände. Für kleinste Verkaufspreise müssen die Herstellungskosten in allen Arbeitsschritten extrem niedrig gehalten werden. Selten geht das mit hohen Umweltschutzstandards einher. Zu guter Letzt spielen der Hersteller und sein Produktionsstandort eine Rolle. Leider ist es in der Textilproduktion üblich, dass die Materialien mehrmals auf die Reise geschickt werden. Baumwolle aus den USA wird zum Beispiel in der Türkei zu Garn verarbeitet, danach in Taiwan versponnen und anschließend in einer chinesischen Näherei zu einem Kleidungsstück verarbeitet. Bei solchem Logistikaufwand ist schwer nachzuvollziehen, woher die Textilien kommen. Es gibt nur noch wenige deutsche Unternehmen, die hier vor Ort Garne verspinnen und Textilprodukte herstellen. Made in Germany spricht in der Regel für schadstoffarme bis schadstofffreie Textilherstellungsprozesse.

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