Ostrock ganz ohne Ostalgie

Ostrock ganz ohne Ostalgie
Hier rockt der Osten; aber mal ganz anders … // Foto: Romy Dudys

Im FriedrichstaTT-Palast ist mit „Bock auf Ostrock“ ein ganz besonderes Programm zu erleben.

Karats Blauer Planet im Walzertakt? Funktioniert nicht und klingt komisch? Doch, es funktioniert – und komisch klingt es auch. Oder zumindest anders. Und genau das ist wohl auch das, was das so gänzlich andere Ostrock-Programm auf der Bühne des Dresdner FriedrichstaTT-Palastes will. Eine ungewöhnliche, eine augenzwinkernde und so ganz und gar nicht verklärte Sicht auf die Musik eines Landes, das es seit über 30 Jahren nicht mehr gibt. Es ist eben genau nicht die schwärmerische Ostalgie, die mitunter bei altbekannten Mitsinge-Abenden in Sachen Ostrock mitschwingt. Wobei auch hier mitgesungen werden soll – und wird. Und es wird auch keines der so wunderbaren Lieder ins Lächerliche gezogen, der Spaß kommt vor allem durch die urkomische Moderation des Chefs der dreiköpfigen Band auf der Bühne auf: Michael Winkler. Und natürlich nicht zu vergessen: Kabarettist Thomas Schuch, der als wunderbares Honecker-Double in Jesus-Latschen brilliert und den Ostrock als politische Einmarschmusik beim Klassenfeind (miss)versteht – und der zudem einen leicht weltfremden Musikkritiker gibt, der in einer herrlichen Beiläufigkeit das Land der begrenzten Möglichkeiten erklärt.

Aber vor allem ist es ein Abend dreier Vollblutmusiker! Denn bei allem Augenzwinkern, bei aller hintersinniger Ironie und hin und wieder auch deftigem Klamauk: Da sitzen drei gestandene Musiker auf der Bühne, die ihr Handwerk hörbar verstehen! Allen voran Michael Winkler, der gemeinsam mit Thomas Schuch aus dem einstigen Kabarett „Breschke & Schuch“ den FriedrichstaTT-Palast werden ließ und die Bühne neben der Satire zunehmend auch für ungewöhnliche Musikerlebnisse öffnen hilft. Ein kräftiger Hauch Musikkneipe weht hier; was ganz und gar nicht abfällig gemeint ist! Silke Krause zeigt, dass sie eine exzellente Keyboarderin ist – was nicht wirklich überrascht, schließlich ist sie bestens von den Dresdner Salondamen bekannt. Und Matthias Macht am Schlagzeug trommelt auch noch die verwegensten Taktfolgen mit traumwandlerischer Sicherheit; nicht ohne Grund steht sein Name auch auf zwei Platten des bekannten 2005 verstorbenen US-amerikanischen Musikers Chris Whitley …

Hier kommen jedenfalls nicht nur Ostrockfans auf ihre Kosten!

JENS FRITZSCHE

www.dresdner-friedrichstatt-palast.de

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