Die Herkuleskeule schaltet das Licht wieder an!

Herkuleskeule öffnet wieder
Ab 1. Mai läuft das neue Stück „Wir drehen am Rad“ in der Herkuleskeule. // Foto: PR

Die Kabarettisten haben eine Menge zu sagen. Eine Premiere steht an – aber der Krieg in der Ukraine sorgt dafür, dass die geplante große Fete zum 60. ausfällt.

Sie nehmen es wie es sich für Kabarettisten gehört mit Sarkasmus: „Dann feiern wir halt spätestens unseren 70.“, sagt Philipp Schaller. Der künstlerische Leiter der Herkuleskeule spielt damit auf den 60. Geburtstag des Dresdner Kabaretts an, der im vergangenen Mai anstand – aber wegen der immer wieder verhängten Einschränkungen rund um Corona nicht gefeiert werden konnte. Also sollte die große Party nun eigentlich in diesem Jahr am 1. Mai nachgeholt werden. Mit der Premiere des neuen Stücks „Wir drehen am Rad“ und mit zahlreichen Gästen auf großer Bühne im Schauspielhaus. Ankündigungsflyer sind schon gedruckt und verteilt … Doch das Wort „eigentlich“ zeigt es schon; es wird wieder nicht gefeiert. „Weil uns in dieser Zeit mit Blick auf den Krieg in der Ukraine einfach nicht nach feiern ist“, macht Philipp Schaller klar, dass es den Kabarettisten dennoch nicht die Sprache verschlagen hat. „Natürlich haben wir dazu unbedingt etwas zu sagen, aber gefeiert wird trotzdem nicht …“ Aber sagen wird die Keule dennoch etwas. „Schließlich ist es unsere Aufgabe, Fragen zu stellen!“ Nicht einseitig, sondern über den politischen Tellerrand schauend, wie es die Fans der Herkuleskeule gewohnt sind, sagt Schaller, der auch die Texte für das neue Stück geschrieben hat.

Neues Stück ab 1. Mai auf der Keulen-Bühne

Und das neue Programm wird trotz allem am 1. und 2. Mai Premiere haben. Allerdings nicht auf der großen Bühne im Schauspielhaus, sondern auf der kleineren im Kabarettkeller im Kulturpalast. Ein sehr musikalischer Abend wird es werden, verrät der Keulen-Chef schon mal. Und auch, wenn es sozusagen das Stück im Jubiläumsjahr der Keule sein wird, ein Rückblick auf 60 Herkuleskeulen-Jahre soll es dennoch nicht werden. „Wir schauen nach vorn“, sagt Philipp Schaller. Was im Übrigen für das Team und die Keule insgesamt gilt. „Auch, wenn es im Rückblick auf die vergangenen beiden Jahre eine Menge Kritisches zu sagen gebe …“ Einerseits habe die Politik zwar mit Kurzarbeitergeld und Förderungen finanziell geholfen, dass die Kabarettisten überleben konnten, „andererseits waren Theater die Ersten, die immer schließen mussten und die letzten, die wieder öffnen durften“.

Und überhaupt sei die Kommunikation alles andere als auf Augenhöhe gewesen. Immer wieder habe man gesagt bekommen, zu bestimmten Terminen wieder öffnen zu dürfen – und wurde letztlich wieder enttäuscht. So hieß es ja auch jetzt wieder, ab 19. März würden alle Einschränkungen aufgehoben, „aus der Zeitung haben wir dann erfahren müssen, dass bis zum 2. April trotzdem alles beim alten bleibt“, ist Philipp Schaller hörbar angefressen. Denn sowohl die Künstler, als auch die Zuschauer brauchen endlich wieder Planungssicherheit. Ein Fakt, den auch Rainer Bursche unterstreicht. Er ist nicht nur langgedienter Kabarettist auf der Herkuleskeulenbühne, sondern auch für den Spielplan verantwortlich. 450 Vorstellungen im heimischen Kabarettkeller und 150 Gastspiele seien in den vergangenen beiden Jahren ausgefallen, „das steckt man auf Dauer finanziell nicht weg“.

Künstler und Besucher fordern Klarheit von Politik

Aktuell spielt die Herkuleskeule mit maximal 60 Prozent Auslastung, um den Besuchern die Maskenpflicht während der Vorstellung zu ersparen. Das sind 160 statt 250 Plätze. „Aber wir sind wieder da, wir spielen wieder!“ Und das sei das Wichtigste. Nun müsse sich das nur wieder herumsprechen – „und die Leute brauchen eben auch die Sicherheit, dass die Karten tatsächlich gelten, die sie im Vorverkauf erworben haben …“ Auch fürs Texteschreiben ist diese Ungewissheit schwierig, räumt Philipp Schaller ein. „Manche Texte haben wir geschrieben, ohne zu wissen, ob wir sie auch jemals spielen werden, weil sie nach dem nächsten Lockdown schon wieder überholt waren …“ Dennoch hat die Herkuleskeule in diesen schwierigen Jahren immerhin zwei Premieren mit „Tunnel in Sicht“ und „Im Kühlschrank brennt noch Licht“ gefeiert, der langjährige Keulenchef Wolfgang Schaller hat mit „Eh ich‘s vergesse“ ein Solostück auf die Bühne gebracht und Philipp Schaller brachte sein Solo „Sie mich auch“ an den Start. „Alles das spielen wir weiter, weil die Stücke bisher kaum aufgeführt wurden.“ Und irgendwann wird auch die große Feier nachgeholt, verspricht er.

JENS FRITZSCHE

Tickethotline: 0351 4925555 (Mo-Fr 10 bis 18 Uhr)
oder unter: www.herkuleskeule.de

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