Unterwegs zu alten Gemäuern

Schloss Rochlitz
Hoch über der Zwickauer Mulde erhebt thront das majestätische Schloss Rochlitz. // Fotos: Ben Walther, Adobe Stock, Sylvio Dittrich

An den Ufern der Mulde sind spannende Burgen, Schlösser und Klöster zu entdecken.

Trutzige Burgen, imposante Schlösser und malerische Klöster: Über der Mulde thront alle paar Kilometer ein Bauwerk, das die Herzen der Geschichtsfans und Mittelalterromantiker höher schlagen lässt. Mögen Zwickauer, Freiberger und Vereinigte Mulde auch nicht so bekannt und besungen sein wie Mosel, Rhein oder Saale – in Anzahl und Vielfalt der alten Gemäuer an ihren Ufern müssen sie den Vergleich nicht scheuen. Ein gut ausgeschilderter Radwanderweg verbindet die steinernen Zeugnisse der Kulturhistorie.

Allein auf dem reichlich 30 Kilometer langen – und in etwas abgewandelter Form auch mit dem Auto befahrbaren – Abschnitt zwischen Lunzenau und Colditz finden sich vier bedeutende Attraktionen: die Rochsburg, das Kloster Wechselburg, das Schloss Rochlitz und das Schloss Colditz. Die um 1190 ersterwähnte Rochsburg liegt malerisch auf einem Bergsporn und eignet sich wegen ihrer abwechslungsreichen, überschaubaren Ausstellungsräume gut für einen Familienausflug. Im Erdgeschoss vermitteln einige Räume einen Eindruck von der Wohnkultur des Adels auf dem Lande, weiter oben kann man einen Streifzug durch 1.000 Jahre Modegeschichte unternehmen.

Auf ganz andere Weise werden die Schätze der Vergangenheit im 1168 unter dem Namen Heilig Kreuz gegründeten Kloster Wechselburg bewahrt. Nach langer Unterbrechung hat hier 1993 wieder geistliches Leben Einzug gehalten: Benediktinerbrüder aus dem oberbayrischen Ettal wagten eine Neugründung. Außerhalb der Gebetszeiten können auch Besucher die eindrucksvolle Wechselburger Basilika aus rotem Porphyr bewundern. Sie gehört zu den am besten erhaltenen romanischen Bauwerken in Deutschland; besonders berühmt ist der kunstvolle Lettner. Für eine Pause vom hektischen Alltag bietet sich ebenso ein Spaziergang durch den benachbarten Schlosspark mit seinen knorrigen Baumriesen an.

Markantes Merkmal des Schlosses Rochlitz sind seine beiden hohen, mit spitzen Hauben bekrönten Türme – und auch sonst gilt der Komplex als weitgehend unverfälschte mittelalterliche Anlage. Ein Rundgang durch repräsentative Räume und Nebengelasse, durch geheimnisvolle Gänge und Verliese beflügelt die Fantasie der Besucher. Führungen und Projekttage vertiefen besonders bei den Kindern das Wissen um die Geschichte des Mittelalters. Die Räume des äußerlich mindestens ebenso imposanten Schlosses Colditz sind vor allem von der jüngeren Geschichte geprägt. 1046 erstmals urkundlich erwähnt und von Staufferkaiser Friedrich Barbarossa als Reichsburg genutzt, trägt die Anlage heute die Spuren unterschiedlichster Besitzer und Ereignisse. Um 1800 wurde sie zunächst zum Armen- und Arbeitshaus, später zur „Landesversorgungsanstalt für geistig unheilbar Kranke“. Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges entstand im Schloss ein Gefangenenlager für alliierte Offiziere. Eine Ausstellung dokumentiert deren Alltag auf Colditz sowie einige der zahlreichen spektakulären Fluchtversuche. Zudem sind im weitläufigen Komplex mit den weißen Renaissancegiebeln die Landesmusikakademie Sachsen und die Europa-Jugendherberge Schloss Colditz untergebracht.

Nördlich von Colditz fließen die Zwickauer und die Freiberger zur Vereinigten Mulde zusammen. Von dort aus lohnt beispielsweise ein Abstecher zur besonders familienfreundlichen Burg Mildenstein, wo vor allem junge Besucher neuerdings auf eine spannende interaktive Schatzsuche gehen können, und zum Kloster Buch.

In der Anlage aus dem späten 12. Jahrhundert kann man zwischen Kapitelhaus, Kapelle und Klostermauer in die Geschichte der Zisterzienser eintauchen, Schriftrollen anfertigen und sich an der Herstellung und Gestaltung von Papier versuchen. Attraktionen sind auch das jährlich im September stattfindende Kloster- und Erntedankfest sowie die monatlichen Bauernmärkte.

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