So schlimm steht es um die Dampfer

Kampf um die Zukunft: Mitarbeiter am vergangenen Donnerstag auf dem Schaufelraddampfer „Dresden“. // Foto: Robert Michael

Die Sächsische Dampfschifffahrt steht vor dem Aus. Es gibt nur einen Ausweg.

etzt wissen es alle aus erster Hand, auch die Eigentümer der Dresdner Dampfer: Die Flotte ist in Not, das Unternehmen ist zahlungsunfähig, die
Dampfschifffahrt überschuldet. Das haben die mehr als 400 Anteilseigner, die sogenannten Kommanditisten, am Dienstag erfahren. Sie haben einst rund 36 Millionen Mark eingezahlt, um die Schiffe zu übernehmen. Vier Tage nach der Belegschaft bekamen sie die schlechte Nachricht von der Geschäftsführung. Für sie bedeutet das im schlimmsten Fall: Ihr Geld ist verloren, wenigstens ein großer Teil davon. Das Unternehmen hat kein Geld mehr, es muss Insolvenzantrag stellen. Die Löhne und Gehälter für den Mai konnten nicht mehr zum Monatsende gezahlt werden, Lieferanten würden jetzt nur noch gegen Vorkasse liefern. Aber auch diese Zahlungen seien
nicht möglich.

Sanierung wird über den Haufen geworfen

Kurzfristig könne dieser Finanzbedarf nicht gedeckt werden, heißt es in internen Dokumenten. Schlimmer hätte es nicht kommen können, nachdem es Karin Hildebrand im Sommer 2019 gerade noch einmal gelungen war, ein Sanierungskonzept zu erstellen, alle Beteiligten davon zu überzeugen und das Unternehmen so vorläufig auf Kurs zu halten. Laut diesem Konzept war vorgesehen, dass die Dampfschifffahrt finanzielle Hilfe vom Freistaat bekommt, die die Sächsische Aufbaubank (SAB) auszahlen sollte. Es ging um zwei Millionen Euro. Die erste Million kam, die zweite Million sollte im Mai 2020 überwiesen werden. Doch sie kam nicht. Grund sind rechtliche Probleme in der Zusammenarbeit mit der SAB. Das hat die Flotte nun in die neuen finanziellen Schwierigkeiten gebracht, begründet die Geschäftsführung die prekäre Lage.

Jetzt versuchen Hildebrand und Pötzsch, das Unternehmen zu retten. „Im vorläufigen Insolvenzverfahren besteht die Möglichkeit, die Löhne und Gehälter über das Insolvenzgeld vorzufinanzieren“, heißt es in dem Schreiben an die Kommanditisten. Außerdem bauen Hildebrand und Pötzsch auf einen sogenannten Massekredit, damit der Geschäftsbetrieb weitergehen kann. Um also dafür zu sorgen, dass die Dampfer weiter fahren können und dass die SDS-Tochter Elbezeit, die unter anderem für das Catering im Zoo zuständig ist, weiter Speisen und Getränke anbieten kann. Ob das gelingt, ist offen. Die Flotte strebe ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an, teilt die Geschäftsführung mit. Ziel sei, den Schiffsbetrieb auf der Elbe zu erhalten.

SZ

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