Ironman-Absage: Peinlicher geht’s kaum

Ironman 70.3 Dresden
Der für 31. Juli in Dresden geplant Ironman 70.3 wurde vier Tage zuvor abgesagt. Foto: Adobe Stock

Es sollte das sportliche Ereignis dieses Sommers in Dresden sein. Vor tollster Kulisse sollte am 31. Juli ein international besetztes Ironman-Rennen in der Elbmetropole starten. Vier Tage vorher kam die Absage. Wer trägt die Schuld an dieser Peinlichkeit?

Die erste Pressekonferenz zur Bekanntgabe des sportlichen Großereignisses fand im September 2021 in der Staatskanzlei statt. Viel Presse war anwesend, es gab ein leckeres Buffet und Sachsens Tourismusministerin Barbara Klepsch, Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch und Dresdens Marketing-Chefin Corinne Miseer wurden nicht müde zu betonen, was für ein tolles Highlight dieses Sportevent am 31. Juli 2022 für Dresden sein würde. Bedeutsam für den Sport, für den Tourismus, für die Marke Dresden schlechthin. Man rechnete mit 2.000 Sportlern aus dem In- und Ausland und mindestens 6.000 Touristen für dieses Wochenende.

Ein Jahr Vorlauf und am Ende eine Absage vier Tage vor dem Rennen

1,9 Kilometer Schwimmen im Alberthafen, 90 Kilometer Rad fahren von Dresden über und durch Meißen bis kurz vor Riesa sowie 21,1 Kilometer Laufen in drei Runden durch Dresdens schöne Altstadt – das war damals der Plan, den die Berliner Agentur sport forward und Veranstalter „The Ironman Germany GmbH“ vorstellten. Und beinah wäre auch alles so so gekommen. Die ersten von insgesamt 2.500 gemeldeten Sportlern aus 51 Nationen waren Mitte der Woche bereits angereist. Doch am 27. Juli, vier Tage vor Start, kam die Absage des Rennens. Grund dafür sei die nicht genehmigte Radstrecke, die über zwei Runden auf der B6 von Dresden nach Meißen führen sollte.
Die Wahrheit ist: Im Frühjahr war klar, dass die ursprünglich geplante Radstrecke wegen diverser kurzfristiger Baumaßnahmen nicht zur Verfügung steht. Am 21. Juli, also zehn Tage vor dem Rennen, präsentierte der Veranstalter eine neue Strecke, die deutlich anspruchsvoller, aber mit steilen Abfahren, 90-Grad-Kurven und teils schlechtem Straßenbelag auch deutlich gefährlicher gewesen wäre. Es gab massive Einsprüche von Sportlern, die diese Strecke abgefahren hatten und Sicherheitsbedenken anmeldeten. Variante Nummer drei hieß dann: B6, zwei Runden von Dresden nach Meißen. Doch für die dafür nötige Vollsperrung gab es vier Tage vor Rennstart keine Genehmigung mehr. „Trotz intensiver Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden bezüglich der Änderung der Radstrecke haben wir durch unsere weiteren gemeinsamen Gespräche und Planungen festgestellt, dass wir die erforderlichen Standards für die Strecke bis zum Renntermin an diesem Wochenende nicht umgesetzt bekommen“, begründet Markus Hanusch, Marketing Manager von Ironman Germany schmallippig. Man denke nun über eine Verlegung auf September nach.

Viele Fragen, keine überzeugenden Antworten: Wie kam es zu diesem Chaos?

Der Unmut über die Absage unter den Athleten ist groß. Die Blamage für den Veranstalter mindestens genauso. Auch die „Marke Dresden“ muss mit dieser Peinlichkeit leben. Fragt sich: Wer ist verantwortlich? In erster Linie auf jeden Fall der Veranstalter. Hätte er die Rennstrecke zeitiger umplanen müssen? Wäre vielleicht der Radweg schneller zu sperren gewesen als eine Bundesstraße? Wie kann es sein, dass die Laufstrecke durchs Areal der Filmnächte führen sollte, wo zeitgleich das dritte Kaisermania-Konzert stattfindet und 15.000 Zuschauer nachmittags anreisen? Hatte diese Terminüberschneidung keiner auf dem (Kultur)Plan? Wer kommt für die Kosten auf, die den Athleten und ihren Teams entstanden sind für Startgebühr, Reise- und Übernachtungskosten?
„Es tut uns zutiefst leid, welche Unannehmlichkeiten dies verursacht“, heißt es im Statement des Veranstalters. Bis 5. August soll es ein „Update“ geben, wie es weitergeht mit dem Dresden Ironman. Ein zweiter Versuch? Kann eigentlich nur besser werden.

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