Kein Geld. Keine Ideen. So tickt Dresdens Konkurrenz um die Kulturhauptstadt.

Im Jahr 2015 feierte Hildesheim 1200-jähriges Stadtjubiläum und war zugleich Ausrichter des Tag der Niedersachsen. (Foto: Oliver Carstens)

Dresden/Hildesheim. Mit den Füßen abgestimmt haben vor Kurzem 130 Hildesheimer. Und zwar darüber, ob sich ihre Stadt als Kulturhauptstadt 2025 bewerben soll. Initiiert hatte diesen Hildesheimer Hammelsprung das Theater für Niedersachsen (TfN). „Unser Fokus lag dabei aber nicht auf der Bewerbung selbst, sondern lief unter dem Titel, in welcher Stadt wir eigentlich leben wollen“, erklärt TfN-Dramaturgin Astrid Reibstein das Ansinnen der Veranstaltung.

„Hildesheims Bewerbung ist größenwahnsinniger Mist“, war so eine der Aussagen, über die das Bürgerparlament in einem der Hammelsprünge abstimmen sollte. Und selbst wenn es der eine oder andere so empfunden habe. Das Ergebnis war eindeutig: Nur eine einzige Person stimmte dieser Aussage zu.

Die große Bühne des Theaters wird an diesem Sonntagnachmittag zum Abstimmungspodium. Wer ja sagt, stellt sich rechts, wer einer These nicht zustimmt, stellt sich nach links. Doch die Aussagen, über die an diesem Tag abgestimmt wird, sind eher Allgemeinphrasen denn gefüttert mit konkreten Ideen für eine kreative Bewerbung.

Wenig Begeisterung in der Stadt

„Unser Ziel war es, eine lustvoll-spielerische Veranstaltung zu dem Thema zu machen, und das ist uns gelungen“, resümiert Reibstein in den Tagen danach. Die drei Schlussfragen am Ende des Nachmittages lassen aber eine Menge Fragen offen. Viel Kultur steckt in Hildesheim, sagen die 130 Gäste, die zumeist aus der Generation 50plus, aus einigen Studenten und vor allem aus Kulturschaffenden besteht. B
ei der Frage, wieviel Hauptstadt denn in Hildesheim stecke, geht es schon eine Stufe runter. Sehr wenig lautet die Antwort. Und beim Stichwort Europa wird deutlich, dass noch mehr als nur einiges fehlt, denn ein europäischer Gedanke ist in Hildesheim eher wenig zu erkennen.

Die Idee, dass sich Hildesheim als Kulturhauptstadt Europas bewerben solle, entstammt überhaupt nicht aus der Bürgerschaft. Es begann als fixe Idee eines eigenen kleinen Männerzirkels, die zunächst still und heimlich und dann immer lauter für eine Bewerbung trommelten.

Die Resonanz in der Bevölkerung bis heute ist mau bis desinteressiert. Das Thema interessiert in der Stadt bis auf wenige, die es unbedinggt wollen, fast niemanden. Und doch stimmte der Stadtrat im vergangenen Jahr für eine Bewerbung. Allerdings unter einer Bedingung. Die Stadt selbst darf sich höchstens mit einer Million Euro an den Kosten einer möglichen Bewerbung beteiligen. Eine Summe, die das ganze Unterfangen nach Meinung von Experten sterben lässt, bevor es überhaupt angefangen hat.

Ideen für Bewerbung: Mangelware

Doch für Hildesheim ist nicht mehr drin. Die Stadt steht unter dem Rettungsschirm des Landes Niedersachsen, Geld ausgeben ist nicht. Und das macht sich in Hildesheim an allen Ecken und Enden bemerkbar. Ein Grund, warum vor allem bei FDP und Grünen in Hildesheim wenig Begeisterung für eine Bewerbung vorhanden war. Besonders in Zeug legte sich die dortige CDU. Die sieht das Projekt Kulturhauptstadt eher als Entwicklungskonzept für die Stadt. Dass es in Hildesheim an Investitionen in Schulen, Straßen und Sozialarbeit fehlt, wollten Politiker der Union nicht gegeneinander ausgespielt wissen.

Doch in Hildesheim fehlt es derzeit nicht nur an Geld, Sondern auch an Infrastruktur. Zwar sollen demnächst zwei neue Hotels in Bahnhofsnähe entstehen. Doch schon beim Tag der Niedersachsen 2015 stieß man in der Innenstadt an Kapazitätsgrenzen.

Seit dem Beschluss des Stadtrates herrscht in Sachen Kulturhauptstadtbewerbung aber ohnehin eher Ruhe. Konkrete Ideen, mit was Hildesheim sich für einen solchen Titel bewerben könnte, gibt es seither nicht. Die Stadt will unbedingt die umliegende Gemeinden einbinden. Auch aus Kostengründen. Doch der richtige Drive, die zündende Idee, die ist noch nicht gefunden. Es bleibt noch viel zu tun.

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