Wieder „Freibier“ in der Neustadt

Die Kreuzung Görlitzer/Rothenburger/Louisenstraße ist ein beliebter Treffpunkt am Abend – für viele gerne auch mit Alkohol. Foto: C. Juppe
Die Kreuzung Görlitzer/Rothenburger/Louisenstraße ist ein beliebter Treffpunkt am Abend – für viele gerne auch mit Alkohol. Foto: C. Juppe

Freitagabend, 21.45 Uhr, am sogenannten Assi-Eck: Eigentlich müssten sich vor den Spätshops rund um die Kreuzung Görlitzer/Rothenburger/Louisenstraße jetzt lange Schlangen bilden. So war es zumindest noch vor einem Monat. Denn freitags und sonnabends war der Verkauf von Alkohol zum Mitnehmen zwischen 22 und 5 Uhr verboten. Spätshop-Betreiber, Politiker und einige Anwohner hatten lange dagegen gekämpft. Vor Kurzem hat der Stadtrat nun die 2007 aufgestellte Polizeiverordnung gekippt und seit 1. Juni ist das Bier wieder frei. Doch hat sich seitdem etwas verändert? Und was sagen eigentlich die Neustädter dazu?
Kurz nach 22 Uhr ist es wieder einmal gut gefüllt am Assi-Eck, die Leute haben es sich mit einem Bier, einer Flasche Wein oder Sekt an und auf den Straßen gemütlich gemacht. Vereinzelt werden sie von der Polizei aufgefordert, die Fahrbahn freizumachen, und kommen dem ohne Murren nach. Nur ein Straßenmusiker sorgt an diesem Abend für Aufsehen: Er beschimpft vorbeifahrende Autofahrer, schlägt gegen die Fahrzeuge. Am Ende wird er im Streifenwagen mitgenommen. Ein Einzelfall? Eine Umfrage vor Ort zeigt jedenfalls, dass die meisten kaum Veränderungen spüren und sich über die Abschaffung freuen.
„Das Alkoholverbot war doch sinnlos“, sagt eine Neustädterin, die es sich mit einem Bier aus dem Spätshop auf dem Bürgersteig gemütlich gemacht hat. „Seit der Abschaffung merke ich keinen Unterschied.“ Auch Alex und Meike sind dieser Meinung. „Gerade im Sommer ist es einfach angenehmer, draußen zu sein“, sagt Alex. „Außerdem unterstützt das auch die Spätshops.“ Deren Betreiber hatten sich schon länger dafür starkgemacht, die Verordnung zu kippen.

Kaum mehr Umsatz für Spätshops

Dass sie nun bedeutend mehr Umsatz macht, könne Hatice Özbingöl aber nicht sagen. Sie bietet in ihrem ABC-Spätshop auf der Görlitzer Straße Freitag und Sonnabend nun bis Mitternacht Bier und andere Getränke an. „Wir arbeiten jetzt mehr, aber es lohnt sich nicht wirklich.“ Sie spekuliert darauf, dass sich das noch ändert: „Viele Leute holen Getränke immer noch kurz vor zehn.“ Womöglich hat sich bei vielen noch nicht herumgesprochen, dass die Verordnung nicht mehr gilt?
Wie unterschiedlich auch die Meinungen der Anwohner sind, hatten vor der Entscheidung des Stadtrats bereits zwei Umfragen gezeigt. So hatten sowohl die Linken als auch der Gewerbe- und Kulturverein Neustädter per Postkarte befragt. Die Ergebnisse hätten unterschiedlicher nicht sein können: Bei der Umfrage der Linken sprachen sich 70 Prozent der 337 Teilnehmer gegen das Verbot aus. Der Gewerbeverein hatte 250 Rückmeldungen. Hier waren allerdings 70 Prozent der Befragten dafür, die Polizeiverordnung beizubehalten.
Auch der Verein selber hatte sich immer gegen die Abschaffung positioniert. Stefan Schulz, der unter anderem den Klub Katy’s Garage betreibt, bemängelte kurz nach der Abschaffung, dass es nun eine Ungleichbehandlung in die andere Richtung gebe. Er müsse seinen Biergarten zu einer bestimmten Zeit schließen, die Spätis hätten eine Art großen Biergarten, der unbegrenzt offen hat.Auch Stadt und Polizei hatten sich immer vehement gegen die Abschaffung ausgesprochen. „An dieser Einschätzung hat sich aktuell nichts geändert“, sagt Stadtsprecher Kai Schulz. „Wir halten die Aufhebung durch den Stadtrat für falsch.“ Zwar sei es schwer, bereits nach vier Wochen – wovon an einem Wochenende die Bunte Republik Neustadt gefeiert wurde – ein Fazit zu ziehen. So kann die Verwaltung weder sagen, ob Beschwerden durch Anwohner zugenommen haben, noch ob vermehrt Müll und Scherben auf den Straßen zu finden sind. Allerdings ist Schulz der Meinung, dass die Aggressivität in der Äußeren Neustadt zugenommen hat. „Allerdings schon vor der Abschaffung der Verordnung“, sagt der Stadtsprecher. Die Polizei möchte sich gegenüber der SZ noch nicht äußern. (Sarah Grundmann mit tho)

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