Dresdner Neustadt fühlt sich „angepisst“ – Wildpinkeln kostet 1 000 Euro

Das Ortsamt Dresden-Neustadt versucht es auf die nette Tour, gegen Wildpinkler vorzugehen. Foto: Una Giesecke

Im Szeneviertel Äußere Neustadt nimmt das nächtliche Wildpinkeln lästige Ausmaße an. „Es ist extrem geworden“, sagt Scheune-Vereinschefin Romy Jähnig. „Es gibt Leute, die pullern zwei Meter neben den Gästen, die gerade Abendbrot essen.“ Nun hat der Verein lustige Aufkleber „So läuft es richtig“ auf dem stark frequentierten Vorplatz verteilt.
Ähnlich witzig ging das Ortsamt schon vor Längerem vor und ließ auf eigene Kosten 50 Kacheln anfertigen, die an den betroffenen Stellen in Augenhöhe der Klientel auf die „Nette Toilette“ hinweisen: Lokale, die Gästen auch ohne Verzehrzwang die WCs öffnen.
Denn dass die Bewohner der Partykulisse sich „angepisst“ fühlen, machen nicht nur zahlreiche Beschwerden deutlich, sondern dies ergab auch eine spielerische Neustadterkundung mit Grundschülern. Die Pädagogen vom Aktiv- und Abenteuerspielplatz Panama haben die Hitlisten notiert. In Kinderaugen stehen auf der Negativseite jene Männer ganz oben, die sich an Gebüsche und Mauern stellen und die Hosen runterlassen. Sie teilen sich den Spitzenplatz mit Schnapsleichen, die den Kleinen morgens auf dem Schulweg begegnen.
Dass hinter den bewässerten Hauswänden Mieter wohnen, die durch die urinstinkenden Hausdurchgänge laufen müssen, ist umnebelten Hirnen im Schutze der Dunkelheit bei drückender Blase vermutlich irgendwann egal. Und Erleichterung in Urinal oder WCs suchen ihrer so viele, dass sich lange Schlangen bilden.
Der kleine Stadtplan mit den „netten“ Lokalen ist vergriffen. Die teilnehmenden Kneipen sind am Eingang nicht deutlich ausgewiesen. Es gibt keine Beschilderung im Straßenraum zu den ohnehin überfüllten drei öffentlichen Anlagen an Alaun- und Louisenstraße sowie auf dem Alaunplatz. Auch eine zurückspritzende Wandbeschichtung an geheimer Stelle habe wenig bewirkt, sagt Ortsamtschef André Barth.
Nun läuft das Ordnungsamt verstärkt Streife. Es drohen Bußgelder von bis zu 1 000 Euro. In diesem Jahr  hatten die Ordnungshüter bis Ende August 63 „Falschpisser“ erwischt.

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