ADFC will mehr Geld für Radverkehr – neuer Dresdner Doppelhaushalt plant nur halb so viel wie nötig

Auf der Carolabrücke sind laut Dresdner Fahrradclub auch mit der Sanierung ab 2019 keine besseren Radwege geplant. Foto: Una Giesecke
Auf der Carolabrücke sind laut Dresdner Fahrradclub auch mit der Sanierung ab 2019 keine besseren Radwege geplant. Foto: Una Giesecke

Die gute Nachricht zuerst: Für Radfahrer tut sich etwas in Dresden. Seit 2017 hat die Stadt ein fundiertes Radverkehrskonzept. Es enthält 450 Maßnahmen. Um sie geordnet umzusetzen, wurden sieben Stellen im Rathaus geschaffen, die sich unter anderem mit Radwegeplanung beschäftigen, sechs davon wurden 2018 besetzt. Der aktuelle Haushaltsentwurf für die beiden kommenden Jahre sieht insgesamt 4,5 Millionen Euro für den Radverkehr vor.

Die schlechte Nachricht: Es reicht nicht. „Im Entwurf sind weder der schon beschlossene Radwegwinterdienst noch die Machbarkeitsstudie für Radschnellwege oder die Maßnahmen für Bike and Ride an allen S-Bahnstellen finanziell untersetzt“, monierte Nils Larsen vom Dresdner Vorstand des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs ADFC auf einer Pressekonferenz am heutigen Mittwoch. Doppelt so viel Geld sei nötig, um das Radverkehrskonzept bis 2025 umzusetzen, sagt er, also jährlich rund fünf Millionen. Der Nationale Radverkehrsplan der Bundesregierung empfiehlt mindestens acht Euro pro Einwohner und Jahr, das wären für Dresden 4,5 Millionen Euro. „In dem Tempo, das das jetzt geplante Budget vorgibt, dauert es noch 50 Jahre, bis alle beschlossenen Maßnahmen umgesetzt sind“, warnt Larsen.

Auf Carolabrücke zu eng

Wenn er Prioritäten setzen müsste, würde die Sicherheit an den schlimmsten Unfallstellen ganz oben stehen. So lobt der Dresdner ADFC-Chef die provisorische Entschärfung der Todeskreuzung Bautzner/Rothenburger Straße. Nach dem jüngsten tödlichen Radfahrerunfall auf der St. Petersburger Straße forderte eine ADFC-Petition dort Sofortmaßnahmen. Diese griff die Grünen-Fraktion auf, sie lagen dem Bauausschuss ebenfalls heute in nichtöffentlicher Lesung vor.

In derselben Ausschusssitzung stand auch der für 2019 anvisierte Umbau der Carolabrücke auf der Tagesordnung. Der geplante Radweg wäre dann laut Larsen nur 80 Zentimeter breit, das sind zehn Zentimeter mehr als ein durchschnittlicher Lenker misst. Fußgänger hätten immerhin künftig 45 Zentimeter mehr zur Verfügung, für Autos sind sieben Meter vorgesehen. „Wenn diese Variante – eine andere gibt es nicht – so beschlossen wird, verbessert sich dort in den nächsten 40 Jahren nichts für Radfahrer“, konstatiert Nils Larsen. Dabei sei mit einer Zunahme zu rechnen, da ab März 2019 der Radweg entlang der Albertstraße ausgebaut werden soll. Ein Schritt in die richtige Richtung, findet Larsen. „Denn attraktivere Radwege bringen mehr Leute dazu, aufs Rad umzusteigen. Das erhöht ihre Sichtbarkeit im Verkehr.“ Und die habe nachweislich in anderen Städten die absolute Zahl der Radunfälle gesenkt. „Und wir fordern in erster Linie Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer.“

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